Kuhglocken um drei Uhr früh: Dani in der Crew beim Race Around Austria

Vier Tage im Pacecar hinter Lukas Kaufmann auf dem Weg zum Ultracycling-Weltmeistertitel: Zwölf-Stunden-Schichten, kaum Schlaf, Kipferl von Fremden und eine Liebe zu Vorarlberg.

· 4 Min Lesezeit · Dani & Martin
Dani im weiß-grünen Crew-Trikot macht beim Race Around Austria ein Selfie im Wohnmobil, hinter ihr Fenster und BettFoto: eigene Fotos

Es ist mitten in der Nacht, irgendwo unten im Burgenland. Vor dem Pacecar fährt Lukas Kaufmann, und am Straßenrand steht ein Mann und läutet eine Kuhglocke, nur für ihn. Anhalten geht nicht, in der Nacht muss das Auto hinter dem Fahrer bleiben. Also kurbelt die Crew das Fenster herunter, ruft ein Danke hinaus und ist schon wieder vorbei. Zwei Tage später, im Kühtai, steht derselbe Mann wieder da und läutet.

Das Race Around Austria führt rund 2.200 Kilometer einmal um Österreich herum. Dani war diesmal nicht nur Dotwatcherin, sondern mittendrin, in der Crew von Lukas Kaufmann. Am Ende stand für Lukas und sein Team der Ultracycling-Weltmeistertitel. Martin hat das Rennen von außen verfolgt, viel zu oft am Live-Tracker.

Das Team

Im Pacecar saßen jeweils drei Leute: Fahrer, Navigator und Nutrition Manager, und das doppelt besetzt, damit immer eine Schicht Pause hat. Dazu kamen zwei Fahrer für das Wohnmobil, die sich abwechselten, ein eigenes Medienteam mit Fotograf und drei Autos. Crewchef war Mario Rametsteiner, der beim Race Around Niederösterreich unser Teamchef war. Die Schichten dauerten zwölf Stunden. Für Dani war das Team ein Traum: Jeder konnte sich auf jeden verlassen, und die Abläufe liefen so rund wie selten.

Das Rennen

Dani war nicht in der ersten Schicht, in der man durch den gestaffelten Start viele Fahrer einholte, die schon früher losgefahren waren. Von außen sah Martin in den ersten zwei Tagen ein Auf und Ab, bis sich Lukas gemeinsam mit einem Konkurrenten vom Feld absetzte. Lukas ging das Rennen schnell an, und als im Team die Frage aufkam, ob das nicht zu schnell sei, meinte er, das passe. Er wollte nicht wieder Vierter werden, sondern von vorne Druck machen. Genau das ist ihm gelungen. Er hielt über das ganze Rennen eine gute Pace und hatte nie einen großen Durchhänger, höchstens kurz vor einer Schlafpause oder einmal in der Früh bei Gegenwind.

Geschlafen hat er dabei erstaunlich wenig. Die erste Nacht fuhr er durch, danach dauerte seine erste Schlafpause rund 20 Minuten, die zweite und dritte je 30, und das Team hatte so einen Stopp in kürzester Zeit abgewickelt.

Zwölf Stunden Pause, in der Theorie

Zwölf Stunden Pause klingen nach mehr Schlaf als daheim. In der Praxis bleibt davon wenig. Einmal musste die Crew für jemanden aus dem Medienteam zurückfahren, ein anderes Mal brauchte das Wohnmobil über den Arlberg vier Stunden zum nächsten Wechselpunkt, während das Pacecar eine halbe Stunde unterwegs war. Über hügelige Passagen und den Großglockner ist ein Wohnmobil einfach langsamer. Hinlegen kann man sich während der Fahrt nicht, das ist in Österreich nicht erlaubt und auf den kurvigen Straßen auch gefährlich. In den USA, mit gefühlt einer Kurve in drei Stunden, war das anders.

Nach der Schicht braucht man ohnehin eine Weile, bis man wieder bei sich ist. Die im Wohnmobil wollen wissen, wie es war, das Medienteam braucht vielleicht ein Interview, man trinkt etwas und verschnauft. Dann geht es los: Wo duschen wir, wo essen wir, wo müssen wir hin? Geduscht wurde trotzdem jeden Tag. Weil man im Freibad nur in Badekleidung duschen durfte und niemand Badehose oder Bikini dabeihatte, landete die Crew einmal in den Kabinen eines Fußballvereins. Von Dienstagabend bis zur Zielankunft am Samstag in der Früh kam Dani auf ungefähr zehn Stunden Schlaf, mehr als Lukas, aber wenig für vier Tage. Betreuer anderer Teams meinten unterwegs, die Crew sehe schon ziemlich angeschossen aus.

Was bleibt

Vor allem die Menschen. Leute, die mitten in der Nacht aufstehen, um an der Strecke zu jubeln. Eine andere Teilnehmerin, die mitten in ihrem eigenen Rennen stehen blieb, um Lukas und die Crew anzufeuern, obwohl sie das ein paar Minuten gekostet hat, in denen sie hätte schlafen können. Für Dani war das ein kleiner Gänsehautmoment. Und drei Burschen, die in der Früh ein Sackerl Kipferl ins Pacecar reichten.

Dann die Strecke. Ober- und Niederösterreich, das flache Burgenland, die südsteirische Weinstraße leider nur im Dunkeln, dann die Berge, der Arlberg und ganz Vorarlberg. Dass ihre Pacecar-Schicht überhaupt dort fuhr, war Glück, geplant war es nicht, aber Lukas war schnell genug. Vorarlberg hat Dani geflasht, spätestens in Schruns-Tschagguns.

Das Race Around Austria hat sie in seinen Bann gezogen. Wiederkommen will sie in irgendeiner Form. Wenn es sein muss, als Streckenposten auf dem Motorrad, aber nur in Vorarlberg.

Dieser Beitrag beruht auf unserer Podcast-Folge. Gespräch und Inhalte sind von uns, beim Verschriftlichen hat KI geholfen, freigegeben haben wir ihn selbst.

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