Welche Ausreden reden wir uns eigentlich ein, um nicht trainieren zu müssen? Wenn man ehrlich ist, erzählt man sie ja niemandem außer sich selbst. Es ist der innere Schweinehund, der eine Begründung braucht, um zu Hause bleiben zu dürfen.
Unsere Klassiker
Martin ist bei Kälte eine kleine Mimose. Wenn es draußen kalt ist, hat er schon einen Grund mehr, nicht rauszugehen, nur gilt der leider nicht für die Rolle. Seit dem Training für das Race Around Niederösterreich und den vielen Stunden im Regen ist er aber abgehärteter. Früher kam noch dazu: keine saubere Radhose. Martin zieht eine Radhose nie zweimal an, außer beim Bikepacking, und im Winter auf der Rolle hieß das schon einmal, dass sich das Training heute nicht mehr ausgeht, weil erst gewaschen werden müsste. Seit dem Rennen hat er genug Hosen.
Bei Dani ist es eher die Zeit. Wenn sie danach noch wohin muss, rechnet sie: Radfahren, dann Haare waschen, duschen, föhnen und sich herrichten, und dann ist das Zeitfenster für ein vernünftiges Training plötzlich zu kurz. Viel Ausreden-Typ ist sie aber nicht, weil es sie hinterher mehr nervt, es nicht gemacht zu haben.
Und dann gibt es die Ausrede, die gar keine ist: Hunger zur falschen Zeit. Isst man jetzt, kann man nicht gleich aufs Rad, weil man erst verdauen muss. Isst man nichts, geht das Training in die Hose. Isst man erst danach, ist es spät, und mit leeren Speichern schlafen zu gehen ist auch nicht gut. Die Lösung ist oft banal, eine Banane oder ein Riegel vorher und einer während der Fahrt. Für alle, die Vollzeit arbeiten und daneben ambitioniert trainieren, ist das trotzdem eines der echten Probleme, vor allem wenn man nicht früh anfangen und um drei heimgehen kann.
Die schönste Ausrede kennt Dani aus ihrer Praxis. Ein Patient konnte seine Übungen nicht machen, weil sich die Katze immer auf ihn legte. Dani und er haben sich auf ein Workout geeinigt, bei dem die Katze mitmacht, als Trainingsgewicht. Ein anderer fand sein Ergometer nicht mehr, weil zu viel Gewand darüberhing. Beim nächsten Termin erzählte er stolz, dass es wieder frei ist und er brav fährt.
Ausrede oder Pause?
Eine Ausrede ist am Ende eine kleine Lüge an sich selbst, damit Faulheit oder Bequemlichkeit gewinnen. Man kann ihr widerstehen und sich überwinden. Wichtig ist aber zu unterscheiden, ob man nicht doch eine Pause braucht. Manchmal ist die Ausrede zwar weit hergeholt, aber dahinter steckt ein Kopf oder ein Körper, der Ruhe will.
Martin hat in diesem Sommer einige Saisonziele abgeschlossen und sich bewusst eine vorgezogene Saisonpause genommen. Er muss sich deshalb keine Ausreden suchen und lebt gut damit. Er weiß, dass der Tag kommt, an dem es wieder losgeht, und dass er sich dann zwei Wochen überwinden muss, bis er wieder im Rhythmus ist. Ein schlechtes Gewissen braucht man deshalb nicht. Der springende Punkt ist, dass die Ausreden nicht zur Gewohnheit werden und das Training bestimmen.
Das funktioniert wie eine Waage. Je öfter man sich überwunden hat, bei schlechtem Wetter rausgegangen ist oder am Ergometer die anderthalb Stunden durchgezogen hat statt nach einer halben aufzuhören, desto eher darf man sich auch einmal eine Pause erlauben. Einer von uns hat sich früher beim Laufen im Winter, im Dunkeln, bei Schnee und Kälte, ganz bewusst Bilder davon im Kopf abgespeichert, um sie im Rennen abzurufen, wenn es hart wird. Das hilft doppelt: Man weiß, dass man schon Schlimmeres durchgezogen hat, und darf an einem Tag, der sich wirklich nicht richtig anfühlt, auch ohne schlechte Ausrede Nein sagen. Solange man am nächsten Tag wieder dranbleibt.
Warum Routine so schwer zurückkommt
Nach einem großen Ziel wie dem Race Around Niederösterreich fiel uns beiden die Routine schwer. Die Motivation ist nicht den ganzen Tag und nicht die ganze Woche gleich, und einzelne Tage, an denen das Wetter nicht passt oder zu viel zu tun ist, reißen einen schnell raus. Dani kennt das auch von ihren Patientinnen und Patienten, die oft schwer in den Therapiealltag finden. Nach ihrer eigenen Knie-OP hat sie viel gemacht, weil es sein musste. Sobald aber nichts mehr weh tut, kommt der Gedanke, der einem die Erlaubnis gibt: Ist doch egal, wenn du es heute einmal nicht machst. Dann wird es hart. Ihr Rat: ehrlich darüber reden, was einen wirklich motiviert, ohne sich zu überfordern. Wer weiß, was ihn antreibt, kann den Kopf auch ein bisschen austricksen.
Und jetzt seid ihr dran: Was ist eure lustigste Trainingsausrede? Schreibt sie uns auf Instagram.




