Das Kopfsteinpflaster auf den letzten Metern zur Edelweißspitze ist gewöhnungsbedürftig, und dann sind Dani und Thomas oben, als Erste des Tages. Um halb vier in der Früh sind sie Richtung Ferleiten aufgebrochen, um halb sechs standen sie als Erste am Parkplatz in Ferleiten, und im Stockfinsteren, mit Licht am Rad, ging es los. Jetzt liegt die Großglockner-Hochalpenstraße fast leer unter ihnen, beim Hinauffahren haben sie vielleicht drei Autos gesehen. Die Stimmung da oben ist ein Traum.
Angefangen hat alles ein Jahr davor, beim Wandern. Dani machte ein Selfie mit dem Großglockner im Hintergrund und dachte sich: Da will ich hin. Eigentlich wollte sie mit einem Bergführer auf den Gipfel, aber Anfang des Jahres war klar, dass ihre Bergerfahrung dafür nicht reicht. Also wurde es ein Saisonziel mit dem Rennrad, als Versprechen an sich selbst. Allein hätte sie es sich nicht getraut. Mitgekommen ist Thomas Haas, der uns beim Race Around Niederösterreich betreut hat und den wir beim Race Across America kennengelernt haben, wo er gemeinsam mit seinem Sohn Dominik das Wohnmobil fuhr. Er ist selbst erfahrener Triathlet und Ultracycler, und für Dani, was Leistung und Einstellung angeht, ein Vorbild.
Hochtor, Kaiser-Franz-Josefs-Höhe, Heiligenblut
Von der Edelweißspitze ging es zum Fuscher Törl, wo sie kurz Riegelpause machten, und dann bergab und wieder hinauf zum Hochtor. Diesen Zwischenabschnitt darf man nicht unterschätzen. Nach dem zweiten Tunnel war auf der anderen Seite plötzlich alles sonnig, und Dani hatte ein Grinsen im Gesicht.
Thomas’ Plan war von Anfang an, auch zur Kaiser-Franz-Josefs-Höhe hinaufzufahren, und dann über Heiligenblut wieder zurück. Dani spürte wegen einer Überlastung ihre Knie und wollte die Höhe erst lieber auslassen, damit sie aus Heiligenblut sicher wieder zurückkommt. Am Kreisverkehr sagte sie dann doch: Das nehmen wir jetzt auch noch mit. Thomas war froh darüber, er hatte sich nicht zu fragen getraut, weil er ihr nicht zu viel zumuten wollte. Oben hat man den Blick auf den Glockner, so wie man ihn kennt.
Unten in Heiligenblut gab es Pizza in der Sonne, und dann ging es wieder hinauf zum Hochtor, zum zweiten Mal an diesem Tag. Kurz nach Heiligenblut meldeten sich die Knie richtig, Dani musste kämpfen, und Thomas nahm Tempo raus und ließ ihr Zeit. Für einen ehrgeizigen Menschen ist das schwer zu akzeptieren. Aber es ging um nichts, sie macht das noch nicht lange, und nächstes Jahr schaut das schon wieder anders aus. Am Hochtor hatte es beim ersten Mal zwölf Grad, beim zweiten Mal sechzehneinhalb, eine Windjacke drüber reichte, Ärmlinge wären oben angenehm gewesen. Am Ende standen im Garmin 90 Kilometer und 3.800 Höhenmeter, und die verteilen sich im Grunde auf die halbe Strecke, weil man die andere Hälfte bergab fährt.
Mit einundsechzig allen davonfahren
Thomas ist einundsechzig und fährt einfach allen davon. Er sagte nachher zwar, dass es auch für ihn eine extreme Tour war, aber Dani hat an diesem Tag ein neues Lebensziel gefunden: Mit einundsechzig will sie selbst noch diese Tour am Großglockner fahren und den Dreißigjährigen davonfahren.
Und sie ist stolz. Ein Jahr vorher hätte sie sich körperlich nicht zugetraut, eine solche Tour zu fahren. Dass es jetzt ging, ohne überhaupt darüber nachzudenken, ob sie das kann, hat das Training der letzten Monate möglich gemacht. Nächstes Jahr fährt sie wieder. Danke, Thomas.
Tipps für euren Großglockner
Welche Seite. Dani hat die Auffahrt von Ferleiten, also von der Bruck-Seite, viel besser gefallen, wegen des Wegs über die Baumgrenze hinaus und wegen der Tunnel. Laut Quäldich hat die Südrampe von Heiligenblut 15 Kilometer mit 1.200 Höhenmetern und durchschnittlich 10,9 Prozent. Von Bruck aus ist die Auffahrt länger und hat mehr Höhenmeter, im Schnitt aber nur 9,1 Prozent, wobei der flache Anfang den Schnitt drückt.
Früh los. Wer früh startet, hat kaum Verkehr, ein ganz eigenes Flair und oben Zeit für längere Pausen. Erst ab Heiligenblut wurde es voller, vor allem mit Motorrädern, brenzlige Überholmanöver gab es aber keine.
Realistisch bleiben. Wer erst seit einem Monat Rad fährt und vorher nicht schon viel Ausdauersport gemacht hat, sollte sich gut überlegen, wann er das angeht. Es wird zach, gerade am Schluss. Nehmt euch nicht gleich alles vor. Nehmt euch zum Beispiel das Fuscher Törl vor, und wenn es nur die Edelweißspitze wird, ist das auch super.
Nicht allein. Sucht euch jemanden, der schon Pässe gefahren ist und das Gelände kennt. Das gibt Sicherheit, und man kann sich gegenseitig motivieren und ablenken.
Warm genug. Auch an einem schönen Tag hatte es am Hochtor beim ersten Mal nur zwölf Grad. Eine Windjacke gehört mit, Ärmlinge schaden nicht.
Und weil wir die Idee nicht mehr loswerden: Wie wäre ein Watt-the-F-Großglockner-Community-Ride? Schreibt uns, was ihr davon haltet.




