Warum grüßt man sich am Rennrad eigentlich? Und noch wichtiger: Warum grüßen manche nicht zurück?
Dani hat angefangen, das zu beobachten. Nicht systematisch, nicht mit Stricherlliste am Lenker, sondern einfach nebenbei auf dem Arbeitsweg und bei den Feierabendrunden. Eine interne Studie mit sich selbst, wie sie es nennt. Belastbar ist das Ergebnis nicht. Es erklärt aber vielleicht ein paar Situationen, die man sonst persönlich nimmt.
Die Grundregel, so weit es eine gibt
Rennradfahrer grüßen einander. Das steht nirgends, und genau deshalb ist so unklar, wer gemeint ist.
Schon bei uns zweien geht es auseinander. Martin grüßt Rennräder, Zeitfahrräder und Gravelräder, grob alles mit Drop-Lenker oder Aufliegersystem. Mountainbiker, Stadträder und E-Bikes eher nicht. Dani grüßt im Querschnitt fast alle; bei E-Bikes kommt es darauf an, wie es gerade passt, und bei Stadtradfahrern rutscht es ihr oft einfach so durch, reflexartig, bevor ihr auffällt, dass da jemand gerade ins Café fährt.
Wenn wir uns schon nicht einig sind, wer dazugehört, kann man schlecht erwarten, dass es alle anderen wissen.
Gegrüßt wird meistens mit der Hand vom Lenker: bei Martin sind es zwei Finger, ähnlich wie Motorradfahrer das machen. Manche heben kurz die Hand wie ein Busfahrer. Und wenn es gerade nicht anders geht, reicht ein schnelles Kopfnicken.
Was den Unterschied zu machen scheint
Der Rucksack. Mit dem Arbeitsrucksack am Rücken grüßt so gut wie niemand zurück. Dieselbe Strecke, dieselbe Person, ohne Rucksack läuft es anders.
Das Tempo. Bei gemütlichen zwanzig Sachen grüßen die Leute zurück. Bei einundvierzig kaum noch. Martins Erklärung dafür ist eine Vermutung, keine Erkenntnis: Wer schnell fährt, hält konzentriert den Lenker und fällt vielleicht selbst kleiner aus im Gruß.
Wer entgegenkommt. Mountainbiker kommen ihr auf diesen Strecken kaum entgegen, Gravelbiker grüßen eher weniger. Einen roten Faden hat sie darüber hinaus nicht gefunden. Mit der Uhrzeit hat es nichts zu tun und mit dem Wochentag auch nicht. Sonntagvormittag oder spät am Abend macht keinen Unterschied.
Und dann ist da noch eine Beobachtung, die sie selbst überrascht hat: Frauen grüßen sie tendenziell weniger als Männer. Sie weiß nicht, ob das Zufall ist. Auffällig findet sie es vor allem deshalb, weil sie inzwischen mehr Frauen am Rennrad sieht als Männer, wenn sie unterwegs ist. Vor zehn Jahren war das anders; da war eine Frau am Rennrad in der freien Wildbahn selten zu sehen.
Die Triathleten-Sache
Den Ruf, unfreundlich zu sein, haben Triathleten weg, und Martin zählt sich selbst dazu. Untereinander grüßen sie sich massiv. Viele grüßen Rennradfahrer aber nicht, und wenn zwei Zeitfahrräder einander begegnen, kommen die Finger wieder raus.
Martin macht es umgekehrt und grüßt vom Zeitfahrrad aus auch Rennradfahrer. Zurück kommt selten etwas.
Warum manche nicht zurückgrüßen
Der wahrscheinlichste Grund ist der langweiligste: Sie wissen es nicht. Gerade wer in den letzten anderthalb Jahren eingestiegen ist, kennt die Regel oft schlicht nicht. Und wenn dann weniger zurückgegrüßt wird, setzt es sich noch weniger durch.
Dazu kommt etwas, das Martin aus eigener Erfahrung kennt: Am Anfang ist das Radhandling so fordernd, dass man gar nicht dazukommt. Eine Hand vom Lenker nehmen, während man ohnehin mit allem anderen beschäftigt ist, ist keine Selbstverständlichkeit.
Und manchmal kriegt man es einfach nicht mit. Benji ist Martin einmal entgegengekommen, hat ihn gesehen und ihm gedeutet. Martin hat überhaupt nicht realisiert, dass da jemand war. Erst später hat Benji ihn darauf angesprochen. Es waren kaum Leute unterwegs, es hätte ihm auffallen müssen.
Wenn dir also jemand nicht zurückgrüßt, hat das ziemlich wahrscheinlich nichts mit dir zu tun.
Das gibt es woanders auch
Dani kennt das von ihrem Papa: Wenn ihnen früher ein Auto desselben Modells entgegenkam, hat er gedeutet, und es kam etwas zurück. Bei Martin war es der Enyaq. Als das Modell noch neu war, haben sich die Fahrer untereinander gegrüßt, alle.
Wir brauchen Daten
Die Studie ist an dieser Stelle noch ziemlich dünn. Deshalb: Schreibt uns.
Wen grüßt ihr am Rad: Rennrad, Gravel, Triathlon, Mountainbike, E-Bike, alle, niemanden? Grüßt ihr zurück, wenn euch jemand entgegenkommt? Und wonach entscheidet ihr das eigentlich?
Schickt es uns auf Instagram. Dann machen wir aus einer höchst fragwürdigen Feldstudie vielleicht eine etwas weniger fragwürdige.




