Isabella Pühringer ist Stationsleiterin der Neurologie bei den Barmherzigen Brüdern in Linz, Imkerin und leidenschaftliche Rennradfahrerin. In die Arbeit fährt sie regelmäßig mit dem Radl, das Auto hat sie gegen das Rad eingetauscht und nennt das ein Megaprivileg. Ihre langen Radreisen macht sie zu Charity-Projekten, und die größte bisher führte sie 2026 in zehn Tagen von Irland zurück nach Oberösterreich: über 2.200 Kilometer und fast 19.000 Höhenmeter, für die ihr Komoot und Garmin vorher 10.000 ausgerechnet hatten. Zusammengekommen sind dabei mehr als 7.000 Euro für herzkranke Kinder.
Angefangen hat es kleiner. Noch bevor sie ein Rennrad besaß, fuhr sie mit einer Freundin auf Citybikes von Linz nach Wien und brauchte dafür einen ganzen Tag. Die erste Radreise ging von Kärnten über den Großglockner nach Oberösterreich, danach eine von Italien heim, und dabei merkte sie, wie viel Interesse die Leute an ihren Touren haben. Daraus wollte sie etwas Gutes machen. Die Fahrt von Irland war ihre fünfte Radreise.
Die Bestohlene
Die erste Spendenfahrt war für die Rollenden Engel und sollte bis nach Oslo gehen. Es verging kein Tag, an dem nicht irgendwas war, entweder beim Material oder bei ihr, und in Göteborg war dann das Rad weg. Isabella war mit der Fähre aus Dänemark gekommen und wollte am Abend nur schnell zum Lidl, um Abendessen und Frühstück zu kaufen. Nach fünf Minuten kam sie wieder heraus, und das Einzige, was noch da war, war das Schloss. Bitterlich weinend saß sie im Taxi, dessen Fahrer noch sinnlos mit ihr durch Göteborg kurvte, bis sie ihm auf Englisch sagte, dass sie keine Sightseeing-Tour machen will.
Sie flog heim, und erst danach ging die Spendenwelle richtig los. Die Rollenden Engel posteten die Geschichte auf Instagram und Facebook, jede Zeitung berichtete, und am Ende kamen fast 4.000 Euro zusammen. Geblieben ist ihr ein Ruf:
Bis heute bin ich zwar noch immer die Bestohlene.
Bricht sie heute zu einer Reise auf, fragen die Leute, ob sie ein Schloss mithat. Auf dem Weg nach Madrid nahm sie das Radl überall mit hinein, auch ins Geschäft, wo die Damen im Einzelhandel mit ihr schrien. Isabella ließ die drei Minuten über sich ergehen, nahm ihre Wurst und ging.
Zehn Tage allein
Zehn bis zwölf Stunden am Tag sitzt sie auf solchen Reisen im Sattel, und das Schlimmste ist jeden Tag der Morgen. Sie fährt in ihrem Urlaub, und im Urlaub würde jeder gern ausschlafen. Dazu kommen das wunde Sitzfleisch, trotz super Radlhose und super Sattel, und die Einsamkeit. Sie ist voll connected und bekommt viele liebe Nachrichten, und trotzdem ist sie mindestens zehn Tage allein, während sie in der Arbeit ständig von Menschen umgeben ist. Anfangs hat sie das gestresst, heute nutzt sie die Zeit bewusst für sich, und wenn es zach wird, sagt sie sich einen Satz ungefähr hundertmal in der Stunde vor:
Bleib bei dir, bleib bei dir, bleib bei dir.
Und sie denkt an die Kinderherzen. Vor der Ankunft in Oberösterreich startete sie aus Deutschland einen Aufruf, was eher gelingt: dass sie in Österreich ankommt oder dass die 5.000 Euro zusammenkommen. Um 23 Uhr am selben Abend war das Ziel fast erreicht, und als es am nächsten Morgen regnete, ging es trotzdem leichter, weil sie es für einen guten Zweck machte.
Unterwegs tauchen immer wieder Menschen genau im richtigen Moment auf. In Frankreich flickte ihr ein über 90-jähriger Mann den Patschen und erzählte mit seinen fünf Wörtern Englisch, dass er schon einmal in Innsbruck gelebt hat. Am nächsten Tag kam der nächste Patschen, ohne Ersatzschlauch und noch rund zehn Kilometer vor der nächsten Stadt. Isabella drehte schon ein Video darüber, dass sie jetzt zu Fuß gehen muss, als sie sich dachte, jetzt reiß dich zusammen, und den Daumen noch einmal hinausstreckte. Der Nächste nahm sie mit, das Rad kam aufs Dach seines kleinen Autos, und er hielt es vom Beifahrersitz aus mit der Hand fest. In Irland machte ihr jemand im Hotel um acht am Abend noch ein Zimmer im Erdgeschoss fertig, damit sie das Rad nicht in den dritten Stock schleppen muss. In solchen Momenten, sagt sie, glaubt man wieder an Menschen.
Auch wenn sie allein im Sattel sitzt, hat sie Leute hinter sich. Familie und Freunde machen Werbung für ihre Projekte, und der Verein Herz bewegt hat sie während der Irland-Reise immer wieder gefragt, ob es ihr gut geht. Das Teamgefüge kennt sie von ihren Bienen, zu denen ihr Papa sie schon als kleines Kind ins Bienenhaus mitnahm: Wie in einem Bienenvolk weiß jeder, was er zu tun hat, und es gibt keinen Neid.
Das Radfahren ist für mich ein Teamsport, weil man eigentlich allein komplett verloren wär.
Die ganze Folge mit Isabella
In Folge 23 erzählt Isabella außerdem, wie ein typischer Tag auf so einer Reise aussieht, warum sie die Unterkünfte inzwischen vorher bucht, was sie nie zu Hause lässt, wie man selbst ein Charity-Projekt anfängt und ob sie sich einmal das RACA 300 zutraut. Dazu kommen ihre Pläne für Portugal und ein neuer Anlauf Richtung Oslo. Hör dir Folge 23 mit Isabella an.




