24 Stunden sind nicht gleich 24 Stunden: was wir aus zwei Teamrennen gelernt haben

Race Around Niederösterreich zu zweit mit Betreuung, 24 Stunden Grieskirchen zu viert auf dem Rundkurs: der Vergleich von Wetter, Strecke, Pausen und Versorgung und was wir daraus mitnehmen.

· 5 Min Lesezeit · Dani & Martin
Martin im blauen Watt-the-F-Trikot führt beim 24-Stunden-Rennen in Grieskirchen eine kleine Gruppe über eine Landstraße, im Hintergrund Hügel und FelderFoto: Sportshot.de© Sportshot.de

24 Stunden sind 24 Stunden, und Radfahren ist Radfahren, sollte man meinen. Nach dem Race Around Niederösterreich im Zweierteam und dem 24-Stunden-Radmarathon in Grieskirchen zu viert wissen wir es besser. Beide Male saßen wir als Team rund um die Uhr im Sattel, und trotzdem hätten sich die zwei Rennen kaum unterschiedlicher anfühlen können. Deshalb der Vergleich, Punkt für Punkt.

Wetter: Team 40 Grad gegen Team Regen

Beim RAN hat es praktisch durchgehend geregnet, in Grieskirchen war es brutal heiß. Martin nimmt jederzeit lieber 40 Grad und Trockenheit als Kälte und Nässe. Vor dem RAN hat er bewusst daran gearbeitet, das Wetter nicht schlechtzureden, weil er es ohnehin nicht ändern konnte, und mit der richtigen Kleidung hat das gut funktioniert. In der kühlen Nacht von Grieskirchen dagegen fror er trotz Ärmlingen und Windweste, und erst als die Sonne herauskam, wurden seine Runden wieder schneller. Dani ist klar Team Kälte und Regen, und das sah man auch an ihren Rundenzeiten, die in der Nacht auffallend konstant blieben.

Daraus lässt sich eine Taktik bauen. Wo man die Schichten frei einteilen kann, fährt Martin in der Hitze längere Passagen und Dani in der Kälte, und im Viererteam kann man genauso schauen, wem die Hitze zusetzt und wer lieber nachts fährt. Man lernt dabei auch einiges darüber, wie der eigene Körper wann reagiert.

Rundkurs gegen A nach B

Die Runde hat einen klaren Vorteil: Nach ein paar Durchgängen kennt man sie auswendig und weiß, was wo kommt. Beim RAN sind wir manche Kurven, die wir vorher nicht abgefahren waren, im Finstern und im Nassen mit angezogener Handbremse gefahren. Dazu kommt auf dem Rundkurs das Fahren im Windschatten und in Gruppen, das hat etwas von Tour-de-France-Gefühl.

Dafür hat man dort nie wirklich seine Ruhe. Man sieht die anderen ständig, und die Rundenzeiten laden zum Vergleichen ein. Martin hatte darin große Schwankungen, und das hat ihn beschäftigt. Auf einer Strecke von A nach B ist man meist allein, und es gibt nichts zu vergleichen. Vor allem ist man flexibler: Auf dem Rundkurs fährt man eine Runde oder zwei, eine Viertelrunde geht nicht, außer einem reißt die Kette. Von A nach B kann man spontan sagen, dass man eine längere oder kürzere Pause braucht. Deshalb würden wir beide eher wieder A nach B wählen, Dani auch wegen der Ruhe, allein am Rad und nur auf die eigene Leistung konzentriert.

Im Windschatten weiß man außerdem, dass die eigenen Fehler auch andere betreffen. Da will man wach und kontrolliert am Rad sitzen, und dabei hat uns das Fahrtechniktraining extrem viel gebracht.

Betreut gegen selbst versorgt

Das ist vielleicht der größte Unterschied. Beim RAN steigt man nach der Schicht ins Auto, und die Crew kümmert sich um Rad, Technik und Verpflegung. Man sagt, was man braucht, und es steht bereit. Das ist purer Luxus. In Grieskirchen hatten wir zwar längere Pausen, aber in denen mussten wir alles selbst machen. Bei Martin sah ein Zyklus so aus: Rad herrichten, Flaschen tauschen, Regenerations-Shake und Iso-Getränk anrühren, aus den nassen Sachen raus, Beine mit der Faszienrolle bearbeiten, am Ergometer ausradeln, und bevor der Vierte dran war, schon wieder alles für die nächste Runde vorbereiten. Echte Ruhe blieben ihm rund 40 Minuten. Beim RAN fühlte er sich trotz kürzerer Pausen fast ausgeruhter. Wer auf Sieg fährt, braucht deshalb wahrscheinlich zwei, drei Leute zusätzlich, die sich um alles kümmern, und das kann den Unterschied zu den Top 3 ausmachen.

Der fixe Platz im Fahrerlager hat dafür eigene Vorteile. Nichts wackelt wie im fahrenden Auto, man kann sich hinlegen, und man kann jederzeit aufs Klo, ohne sich etwas verkneifen zu müssen. Und man sieht sich: Beim RAN haben wir uns in 21 Stunden kaum gesehen, außer beim Abklatschen und über Funk. In Grieskirchen konnte man nach jeder Runde kurz reden. Einmal standen wir im Camp und fragten uns, wo eigentlich Mario ist, bis uns einfiel, dass er gerade seine Runde fuhr. Fürs nächste Mal nehmen wir mit: ein stapelbares Kistensystem, eine Kiste pro Person, einen eigenen Tisch zum Mixen, eine Sitzecke, die Matratzen von Anfang an ausgelegt und wieder ein Ergometer zum Ein- und Ausradeln.

Intensität hängt an der Pause

In Grieskirchen hat Martin die ersten Runden völlig überzockt, weil er wusste, dass danach zwei Stunden Pause kommen. Die sind schneller vorbei, als man glaubt. Beim RAN waren es Blöcke von 40 bis 45 Minuten, und die zwingen zu einem konstanteren Tempo. Richtig durcheinander kam er, als die Pausen später plötzlich kürzer wurden und er weiter so fuhr wie mit langer Pause. Nächstes Mal sagt er vorher, dass er zwei Runden am Stück fährt, zügig, aber konstant. Und im großen Team mit vier, fünf Stunden Pause zwischen den Einsätzen fährt ohnehin jeder jede Runde Vollgas.

Beim Schlaf war Dani beim RAN mit dem Rhythmus aus kurzen Powernaps zufrieden. In Grieskirchen gab es etwas mehr Schlaf, ob das viel gebracht hat, kann sie nicht sagen.

Und wenn wir 24 Stunden zu zweit fahren?

Die einzig vernünftige nächste Frage. Dani kann sich vorstellen, jede Runde abzuwechseln oder immer zwei zu fahren, und findet, das muss man vorher im Training besprechen und gezielt trainieren. Martin rechnet mit: Jeder Wechsel kostet im Idealfall 20 Sekunden, im schlechtesten eher 40 bis 50, und zwei Runden am Stück bringen Flow. Die Idee wäre, im Training auf rund 40 Kilometer auf Zug mit 75 bis 80 Minuten Pause hinzuarbeiten. Fix ist für ihn eines: Die halbe Pause verbringt er mit ganz wenig Widerstand auf der Rolle oder am Ergometer, damit er nicht auskühlt.

Nur gibt es kaum noch 24-Stunden-Rennen. Manche fahren auf einer Runde von nicht einmal vier Kilometern, und alles unter zehn, fünfzehn Kilometern Rundenlänge stellen wir uns mental richtig zäh vor, 20 bis 30 Kilometer klingen gut. Rad am Ring am Nürburgring hat 26 Kilometer mit 560 Höhenmetern und 92 Kurven. Wenn ihr ein 24-Stunden-Rennen kennt, das wir ausprobieren sollten, schreibt uns.

Dieser Beitrag beruht auf unserer Podcast-Folge. Gespräch und Inhalte sind von uns, beim Verschriftlichen hat KI geholfen, freigegeben haben wir ihn selbst.

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