# #28 Das Radl ist mit mir gefahren – Roland Königshofer über Bremsen, Kurven und die Angst am Rad (Teil 1)

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Watt the F⚡ – der Podcast von Dani & Martin · 9. Oktober 2026 · 50 Min

## Worum es geht

Wer hat dir eigentlich Radfahren beigebracht? Wahrscheinlich niemand. Man setzt sich als Kind aufs Radl, fällt ein paar Mal um und irgendwann geht's. Dass das in der schnellen Abfahrt oder im nassen Kreisverkehr nicht mehr reicht, merkt man meistens erst, wenn es knapp wird.

Diesmal sitzt Roland Königshofer mit uns am Tisch, in Wien, ganz live. Roland war Steher: Bei diesen Bahnrennen fährt man auf dem Rad im Windschatten eines Motorrads, Runde um Runde mit über 100 km/h. 1989, 1990 und 1991 wurde er darin Weltmeister, insgesamt war er 21 Jahre Radprofi. Nach 25 Jahren bei adidas bringt er heute Leuten wie uns bei, wie man richtig bremst, Kurven fährt und sein Rad beherrscht. Wir waren beide bei ihm im Kurs, und seitdem fahren wir anders in jede Kurve.

Es geht darum, warum Fahrgefühl allein nicht reicht und warum selbst Profis meist nur das Gefühl für falsche Abläufe perfektionieren. Roland erklärt Countersteering, die innere Hand als Joystick, warum Mountainbike-Tricks auf der Straße gefährlich sein können und warum er im Kurs keine Levels kennt: Der Anfänger trainiert neben der Olympiasiegerin. Martin erzählt von seinem Ausrutscher im Kurs und einer Kurve daheim, die sich am Wochenende einfach nicht mehr ausgegangen ist. Dani verrät, wie sie sich Abfahrten vorher im Kopf einprägt.

Und weil es ohne Aha-Moment nicht geht: Wir lernen, warum Angst etwas Geniales ist, warum Männer gern Dinge tun, die sie nicht können, und warum bei Olympia in Paris im Regen so viele im Kreisverkehr lagen.

Teil 2 kommt nächste Woche. Eine Folge über Bremsen, Kurven, ehrliche Selbsteinschätzung und die Erkenntnis, dass bisher das Radl mit uns gefahren ist.

## Kapitel

- 00:00 Begrüßung: Roland Königshofer bei uns am Tisch
- 03:12 Vom Steher-Weltmeister zum Fahrtechniktrainer
- 07:13 Immer dieselbe Kurve: warum uns das Üben fehlt
- 08:55 Countersteering: Das Rad lenkt anders als das Auto
- 14:14 Mountainbike-Tricks auf der Straße
- 16:39 Martins Ausrutscher im Kurs und die Kurve daheim
- 19:58 Drei Locations, drei Säulen: so läuft der Kurs
- 24:31 Angst ist was Geniales
- 26:41 Die innere Hand als Joystick
- 27:33 Danis Visualisieren vor dem Semmering
- 30:50 Ötztaler, Finisher-Medaille und die Angst bergab
- 33:00 Wie Profis Fahrtechnik (nicht) trainieren
- 35:54 Keine Levels: der Anfänger neben der Olympiasiegerin
- 40:40 Der Kreisverkehr ist eine verkehrte Steilkurve
- 48:01 Schnitt, Ausblick auf Teil 2 und Grüße an die Füße

## Transkript

[0:05] Watt the f – zwischen Couch und Carbon. Wenn Training auf Leben trifft. Ein Podcast über Ausdauer, mentale Stärke und ehrliche Learnings aus Training und Alltag.

[0:17] Hallo ihr da draußen, hallo Martin und hallo unseren. Podcast-Gast. Danke Roland, dass du die Zeit noch mal hast. Schön, dass du da bist. Hallo zusammen! Dani, es freut mich, dass wir am Tisch sitzen und diesmal nicht nur virtuell wieder irgendwen dabei haben in Gedanken, sondern jemanden live am Tisch mit uns sitzen haben. Wir sitzen in Wien ganz ungewöhnlich für uns auch als Location Und ich sage auch hallo. und jetzt fragt man sich natürlich ja, wen habt ihr da? Erzählt doch mal. Unser Gast, der hier mit uns am Tisch sitzt, ist schon tatsächlich auf dem Fahrrad hundert Kilometer pro Stunde gefahren und das nicht nur für einen Bruchteil einer Sekunde, was vielleicht manche von uns mal vereinzelt in einem Rennen schaffen, sondern Runde um Runde und das Zentimeter hinter einem Motorrad, auf einem Fahrrad ohne Bremsen, also unvorstellbar. Er ist damit auch mehrfach Weltmeister geworden in den Jahren 89, 90 und 91, also schon ein paar Jahre her. Und trotzdem wie wir gerade erfahren haben kennt ihn ganz Österreich auch durch sportliche Neujahrsansprachen. Das haben wir grade so als Detail noch erfahren.

[1:17] Er ist also erster Radweltmeister Österreichs damals gewesen und bringt heute Leuten wie Dani und mir und euch da draußen vielleicht auch bei, wie man richtig bremst, Kurven fährt und sein Rad eigentlich beherrscht. Wir waren ja bei ihm im Kurs, wir haben das ja hier schon erzählt. Es gibt ja ein paar kleine Anschnitte von uns in anderen Folgen schon. Und wir haben davon profitiert. Man hat es auf Insta gesehen, Dani am Semmering zum Beispiel, Roland, du hast das Video auch schon gesehen. Also da sind durchaus die Effekte, glaube ich, spür- und messbar, und wir freuen uns jetzt, dass wir sagen können: Hallo, das ist schön, dass du hier bist. Namhafte Radfahrer der aktuellen Zeit sind ja bei dir zu Gast. Wir haben gesehen Christoph Strasser beispielsweise war neulich da, da kommen wir nachher noch mal zu. Also ja, dein Zitat ist: Wer gut bremst, kann immer schnell fahren. Und wir wollen heute natürlich wissen, warum. Also nochmal herzlich willkommen, Roland Königshofer, schön dass du dir die Zeit nimmst. Ja vielen Dank für die Einladung. Und macht mir natürlich riesen Spaß, über mein Thema, das so ein bisschen outstanding ist und noch überhaupt kein Verständnis in der Szene des Radsports und des Triathlons hat,

[2:23] also breitenmäßig, hier mal ein bisschen näher darstellen zu können. Und da will ich gleich einsteigen, weil das ist ja das Interessante, jeder hat Radlfahren seit Kindheit irgendwie gelernt und ich auch. Und letztes Jahr, wie der Martin zu mir gesagt hat, hey Dani, da gibt es einen Kurs über das Rennradlfahren, haben wir gedacht, boah cool, vielleicht lerne ich da wirklich mal richtig Radlfahren. Und das war dann tatsächlich so bei dem Kurs, habe ich mir echt gedacht, ich bin noch nie auf meinem Radl gesessen und habe es wirklich gefahren, sondern das Radl ist mit mir gefahren. Und das war für mich voll der Aha-Moment, dass man versteht, dass man selbst einfach ein Lenker von dem Gerät ist, von dem Sportgerät, mit dem man schon ziemlich viel km/h dann auf der Straße unterwegs ist. Und ja, da haben wir uns einiges von dir abschauen dürfen und lernen dürfen und das ist voll wertvoll, nicht nur für ein Rennen, sondern auch für den normalen Alltag. vielleicht das als Einstiegsfrage, damit da draußen jetzt alle die das hören einordnen können was du tust. Wir haben jetzt schon kurz deine Profikarriere angeschnitten, aber danach warst du 25 Jahre bei adidas. Und jetzt ist natürlich aber das viel Spannendere: Du hast seit fast fünf Jahren deine eigene Firma.

[3:29] Erklär doch mal als Einstieg kurz, bevor wir da in die Details steigen, ganz kompakt was du jetzt machst und anbietest. Ich möchte vielleicht gleich eine Warnung vorausschicken, wobei die Leute, die glauben, gut Radfahren zu können, sind eh schon weg.

[3:46] Ja, das ist die Erfahrung. Die, die immer noch da sind: Es gibt etwas, was da drüber steht, was aber undiskutierbar ist. Weil wenn man wirklich ehrlich ist zu sich, dann hat man Radfahren nicht gelernt, weil es einem jemand erklärt hat. Du wirst auf ein Kinderrad gesetzt. Kein Mensch erklärt dir, wie musst du lenken? Was musst du mit dem Körper machen? Wie musst du treten, damit du nicht umfällst? Das ist impliziertes oder wie heißt das? Implizites Wissen genau. Genau! Wo es darum geht, die Natur sieht vor. Wenn du quasi auf die Welt kommst, so wie eine Giraffe, die hat keine Zeit, irgendwas zu lernen, sondern die muss in kurzer Zeit aufstehen. Die wackelt kurz herum, so wie das Kind am Fahrrad. Einer fliegt halt zehnmal der andere hundert Mal aber irgendwann kann er's ja. und Next Level ist nicht mehr als das Gefühl dafür aufzubauen. Das Gefühl ist nichts anderes, als auszubalancieren, was das Rennrad vorgibt, wenn es Naturgesetzen, die sehr übermächtig sind, folgt. Mehr haben wir nicht gelernt und ich habe es auch nicht anders gekannt. Ich bin 21 Jahre im professionellen Radsport herumgefahren, also wie gesagt, bekannt geworden durch Bahnrennen, aber zwei Drittel meiner 2.200 Radrennen waren Straßenrennen.

[4:53] Eine Österreich-Rundfahrt, die damals noch 11 Etappen gehabt hat, und solche Dinge habe ich überraschenderweise sehr viel gewonnen, weil ich selten der Stärkste war, aber immer mit dem, dass wenn es kurvig geworden ist, wenn es Abfahrten gegeben hat, winkelige Zielanläufe, denn ich habe mich seit meinem 13. Lebensjahr wirklich damit beschäftigt. und jetzt dann hab' ich fünfundzwanzig Jahre Abstand gehabt zum Radsport mit sehr vielen anderen Sportarten zu tun gehabt. nur bei adidas war halt Radsport verkauft worden. Und jetzt habe ich eben keine Dogmen mehr im Kopf und habe angefangen, Ich war ja cool, ich mache Fahrrad-Sicherheitsschulungen. Während Corona war das natürlich das Thema, alle sind aufs Fahrrad gelobt worden, und nebenbei mache ich noch als Hobby Rennradfahrtechniktraining, weil das habe ich ja gekonnt und das habe ich ja nicht nur geglaubt, sondern auch bewiesen mit allen möglichen Erfolgen gegen die Besten der Welt. Nur hat das nicht funktioniert. Es war mir klar, dass die Leute nicht verstehen, was ich ihnen erkläre, und das ist im Radsport fatal. Das ist kein Skikurs, wo du kannst dich auch schwer verletzen, aber du hast ein dickes Gewand an, wenn du einen kleinen Fehler machst, fällst du in den Schnee, stehst auf, fahrst weiter.

[5:54] Wenn du mit Fahrradgewand am Asphalt mit 20 km/h stürzt, das geht nie gut aus. Das ist genau das Gegenteil, was ich erreichen will. Dann habe ich brutale kognitive Dissonanz erlebt, und das ist das, wo die paar wirklich guten Radfahrer, also ich rede so von Ötztal-Kaiser und auch Profis, wenn man zuschaut jetzt in der World Tour, was da so abgeht, ich habe dann mich quasi selber overruled und eben diese kognitive Dissonanz erlebt, wo man draufkommt, dass man bei weitem nicht so gut war, wie ich es sogar bewiesen habe. Denn das war alles nur Fahrgefühl, und wie soll man ein Gefühl vermitteln? Egal, welches Gefühl es ist, das kann ich nicht lehren. und beim Radfahren muss alles unmissverständlich sein sonst gibt's Unfälle ja? Und die Unfälle hat es leider auch gegeben. Und ich war so hart an der Kippe, ich bin zu blöd dafür, ich kann das nicht weitergeben. Und dann habe ich einfach angefangen, mich mit Physik, mit Biomechanik und mit Psychologie zu beschäftigen, wo es sehr viel Theorie gibt, die sehr inspirierend war, aber kaum irgendetwas: wie setzt man es in die Praxis um? Und das war der Knackpunkt.

[6:55] Das ist jetzt erst später gekommen, dass du dich wirklich mit den wissenschaftlichen Grundlagen beschäftigt hast. Du hast das seit deinem 13. Lebensjahr mit Gefühl immer wieder gemacht und erst jetzt gerade ist das Wissen dazu... Ganz genau! Und das ist das Krasse. Ich habe gegen die Besten der Welt gewonnen, weil ich mich damit beschäftigt habe. Beschäftigen ist mein Lieblingswort. Ich glaube das habe ich schon mehrfach erwähnt. Wenn wir auf neue Parcours kommen bei meinem Kurs, dann wird einmal besichtigt, dass man weiß, was man tut. Und in dieser Besichtigung passieren schon mal sieben, acht Bremsungen zum Beispiel. Und nachher können es alle schon besser. Da habe ich überhaupt noch nix erklärt, ja? Aber es macht niemand! Weil wenn du jetzt zum Beispiel eine Ausfahrt hast und jetzt eine Abfahrt fährst und die Kurve schaffst du nicht gut, also nicht zufriedenstellend, zu früh oder zu spät gebremst oder irgendwie schlecht angefahren, du bist fast im Gegenverkehr, in den Leitschienen gelandet, dann sagst du: Boah, Gott sei Dank. Aber kein Mensch kommt auf die Idee, stehen zu bleiben, umzudrehen, raufzufahren, die Kurve noch einmal oder zehnmal zu fahren. Genau das ist es. Wir beschäftigen uns damit, immer die gleichen Kurven, immer die gleichen Bremswege. Nur dann kannst du was lernen und das passiert nicht draußen.

[7:57] Das ist nämlich das Interessante. In anderen Sportarten machst du ja das Techniktraining. Also ich weiß es vom Volleyball. Da haben wir einfach stundenlang zum Teil wirklich nur Pritschen, Baggern, Aufschlag, sonst was gemacht. Absolut! Am Radl fahren war halt noch gar nicht. Du hast das vorher schon so schön beschrieben, du hast da auch Kurven genommen, einfach immer das Gleiche, ja, zufällig. Mein Vater hatte die Idee gehabt, kein Hintergrundwissen, gar nichts. Der hat sich gedacht, wenn du es immer machst, dann wird es schon irgendwie funktionieren. Klassisches Lernen halt! Genau motorisches Lernen Das ist eben die Basis des Ganzen. und wer es jetzt noch geschafft hat, weiter zuzuhören. Und nicht sagen, da fällt der Vorhang, ja? Das geht mir nichts an! Das ist ein Blödsinn, weil alle anderen fahren... Ich bin auch mit 100 km/h den Glockner damals noch mit den dünnen, harten Reifen im Regen hinuntergefahren und habe die anderen abgehängt dabei. Also ich habe es auch überlebt, sonst wäre ich nicht da. Es geht schon sehr viel mit Fahrgefühl. Aber ihr wisst genau, wie zum Beispiel... Also ich sage es jetzt einmal, da auf meiner Homepage steht es nicht, weil sonst würden mich alle für wahnsinnig erklären: Wenn du schneller als 15 km/h fährst, musst du dein Rad in die andere Richtung lenken. Kennt jeder vom Countersteering, vom Motorrad, gibt es beim Mountainbike auch, heißt ein bisschen anders. Beim Straßenfahren kennt das kein Mensch.

[9:02] Da bist du im Straßenverkehr unterwegs. natürlich kriegst du da Angst weil ein Fahrrad einfach nicht so intuitiv handhabbar ist wie ein Auto. zum Beispiel. Abgesehen von den elektronischen Helferleins, die es da alle gibt, mit ABS und Stabi-Programm und automatischer Bremskraftverteilung vordere, hintere Achse, das gibt es beim Rad alles nicht. Wenn du da links fährst und musst noch weiter nach links fahren, dann kann das ein Auto, indem du einfach noch weiter nach links lenkst. Aber beim Fahrrad passiert nichts. Also da wirst du dann nur mehr merken, dass geht gar nicht und dann kriegst du Angst. Und das hat mir bei dir im Kurs so gut gefallen, weil du hast das so praktisch mit dem Laufrad, das du da mitgehabt hast, herzeigt und das war einfach so der Aha-Moment. Und ich denke mir, da kann man oft auch viel Literatur lesen, aber du vermittelst das dann einfach ganz anders. Und wenn man das selber mal gespürt und nicht nur liest, wie das sein kann, das ist super. Also das war so der Aha-Moment, wo ich mir gedacht habe, so reagiert mein Radl dann, und dass du das spürst, das war echt voll spannend. Und das sind eben alles Teile jetzt quasi von den aktuellen Radkursen, die für Sicherheit, Brems- und Kurventraining sind, nur für alle zur Einordnung, dass sich der Kreis schließt, bevor wir da in die Tiefe noch weiter eintauchen.

[10:08] Aber das heißt, du hast jetzt quasi eben, was du jetzt gesagt hast, dass nicht nur deine Erfahrung von früher das ausmacht, sondern im Gegenteil eher die Beschäftigung jetzt mit dem, was passiert technisch dahinter. Genau weil du das gerade ansprichst. Das heißt, du hast dir jetzt vor ein paar Jahren noch mal angeschaut oder über die letzten Jahre und geschaut, was ist die physikalische Basis und wie vermittelt man es Leuten wie uns, die da sitzen und das sehen müssen. Und dann entstehen so Beispiele wie dieses sich drehende Einzellaufrad, was als Schwungmasse in die eine oder andere Richtung sich dann bewegt oder eben nicht bewegt. Und das ist jetzt quasi die Basis von dem, was du draußen versuchst, unter die Menschen zu bringen? Genau, also ich hatte am Anfang auch die Idee, ich trage meinen Namen, und das ist halt so, die so 45 plus sind, kennen mich noch aus der alten Zeit, weil es damals eine ganz andere Medienlandschaft war und halt nur ganz wenige Medien, aber dort haben alle hingeschaut. Und wenn du dort 13 Jahre omnipräsent warst, dann wissen sie das heute auch noch.

[11:08] Es geht darum, einfach das Ganze so umzusetzen und ich glaube, ihr habt ungefähr ein Drittel von dem mitbekommen. Was ich weiß? Die anderen zwei Drittel sind: Wie muss ich es machen, dass ihr nicht stürzt, damit ihr es lernt, und dann, bevor ihr noch irgendwas mit 20 km/h auf Asphalt, auch wenn es ein sicherer Platz ist... und das geht ja auch. Ich habe die Locations dafür abseits vom Verkehr. Im Verkehr kann man sowas niemals lernen. Was passiert da, wenn du das umsetzt, was ich dir vorher gesagt habe, wo alle stehen und sagen: Aha. Das hat uns aber noch niemand erzählt. Oder das war bis jetzt unvorstellbar oder das war sogar verboten, so etwas zu tun. Aber weil das Hintergrundwissen einfach in der Breite komplett fehlt, muss ich die Leute so hinführen in Etappen. Also das ist kaum ein Kurs, der gleich ist wie der andere weil es einfach unterschiedlich aufgenommen wird. Das sehe ich natürlich sofort, und wenn du dich fünf Jahre mit Bewegungen beschäftigst und tausende Bremsungen, tausende Kurvenfahrten von unterschiedlichsten Leuten gesehen hast, kriegst du ein Auge dafür, wie in jedem anderen Beruf auch. Und nur aus diesen Erfahrungen habe ich auch jetzt erst vor zwei Jahren einen absoluten Gamechanger beim Bremsen entdeckt, den ich niemals auf dem Rad, wenn ich selber am Rad sitze, draufgekommen wäre.

[12:17] Nur durchs Zuschauen, das hat aber niemand. Wer schaut schon tausende immer wieder in der gleichen Kurve? Bremsungen und Kurvenfahrten zu, damit er etwas daraus schließen kann, ohne dass er viel nachdenkt, sondern da spüre ich etwas und dann unter der Woche probiere ich es selber aus. Also ich kann nicht mehr schnell Radfahren, ich habe vor dreißig Jahren mein letztes Rennen gehabt und interessiert mich nicht mehr, aber ich kann diese Techniken, wenn es notwendig ist, auch noch selber vorzeigen, auch sehr dynamisch, also ich habe keine Angst vor Geschwindigkeit oder so. Ich bin natürlich weit weg von dem, was ich da früher gemacht habe. Aber es ist einfach notwendig, sowohl die Theorie dahinter mit praktischen Beispielen oder Abläufen, die jeder schon tausendmal gesehen hat im Leben oder hunderte Male selber gemacht hat, aber am Fahrrad genauso funktionieren, wo dann eben immer kommt: Warum hat mir das bis jetzt noch keiner erklärt? Weil es ist eh so einfach. Aber es kann sich jeder was vorstellen. Und wenn man das dann auch spürt mit diesen Trockenübungen dazu, mit Laufrädern, mit einer Besenstange, wo wir im Prinzip die Hebelwirkung von einem Fahrrad... wenn du von der Seite draufschaust, dieser Rahmen ist extrem kompliziert, keiner kann sich vorstellen, wo da die Kräfte hingehen.

[13:22] Wir reduzieren es aufs Einfachste und dann versteht's jeder, jeder kennt Hebelgesetze von der Kinderschaukel oder von sonstigen Dingen.

[13:31] Wie kommuniziere ich es in verschiedenen Formen? Ich habe meine Standardinformationen, und wenn ich da merke, das hat einer nicht mitbekommen, gibt's noch eine andere Herangehensweise. Ein anderer Blickwinkel, der zum selben führt, und im Idealfall noch ein dritter Blickwinkel. Dann kann ich wirklich alle abholen, weil ich merke gleich, ob jemand an einem Gesichtsausdruck oder bei einer ersten Umsetzung, dass irgendwas nicht passt. Da hat irgendwer etwas nicht verstanden und das geht gar nicht. Das muss jeder verstehen, und da bin ich schon auf einem sehr guten Weg hin, aber ich lerne bei jedem Kurs trotzdem noch etwas dazu. Das kann noch nicht das Ende der Fahnenstange sein. Seit fünf Jahren, in Wahrheit eigentlich seit drei Jahren, wo ich mich intensivst damit beschäftigt habe, dass ich da schon alles neu erfunden habe, das kann nicht sein. Es ist natürlich, sehr viele Dinge hat es schon gegeben, insbesondere Motorradfahrer und Mountainbiker, die das seit langer Zeit machen. Also Mountainbiken ist hundert Jahre jünger als Straßenfahren, aber die haben sofort damit angefangen, und das große Problem hat sich dadurch entwickelt, also seit Mitte der achtziger Jahre, dass die halt cool waren, die Mountainbiker. Die Straßenfahrer, die sich nie damit beschäftigt haben, sondern nur mit Geschwindigkeit und Ausbalancieren,

[14:35] die haben gesagt: Wie machst du das in der Kurve da? Wie bremst du? Nur diese Skills vom Mountainbike, die dort super funktionieren, sehr weit entwickelt sind und wo sehr viele Leute darüber nachgedacht haben und das umsetzen können, die sind sehr, sehr oft oder fast in allen Fällen auf der Straße nicht wirklich zielführend oder sogar gefährlich. Mit einem Straßenrad kannst du noch viel mehr machen als mit einem Mountainbike, denn das Straßenrad tut alles, was du willst. Ein Mountainbike nicht unbedingt, das hat eine Federgabel. Eine Federgabel ist super wichtig, wenn du über Wurzeln oder über Schlaglöcher bremsen musst, dass noch längere Zeit Bodenkontakt ist, aber irgendwann geht dieses Ding einmal auf, wo du das nicht willst. Bei Motorrädern gibt's dann noch so Dämpfer, weil da ganz andere Gewichte und ganz andere Geschwindigkeiten dahinter sind. Bei guten Federgabeln auf Mountainbikes gibt es das vielleicht auch, aber es passiert dann halt in manchen Situationen, dass plötzlich kein Grip am Vorderrad ist, wo du das genau nicht brauchen kannst. Und kein Grip ist einfach... dann folgt das Ganze einem Naturgesetz, dem Trägheitsgesetz: immer gleiche Richtung, immer gleiche Geschwindigkeit. Kennt jeder, wenn du beim Skifahren in der Luft bist, weil du über einen Hügel drüber springst, für ein paar Zehntelsekunden in der Luft bist, da gibt es kein Bremsen und kein Kurvenfahren.

[15:39] Das haben wir auf der Straße kaum. Da gibt es ja meine berühmte 95-Prozent-Regel. In 95 Prozent der Fälle hast du eine vernünftige Straße vor dir, es geht geradeaus. Du hast keinen Rollsplitt, du hast keine Schlaglöcher. Und die anderen fünf Prozent, die musst du natürlich wissen, das ist Kurve, Schlaglöcher und Rollsplitt. Und natürlich ein paar Feinheiten gibt's dann noch mehr, und das erfordert eben Locations, wo du das in Ruhe trainieren kannst. Und immer wieder und immer wieder. Also keiner tut's! Es macht niemand. Jeder sagt, okay, ich habe den Sturz jetzt vermeiden können, oder ich bin gestürzt, dann probiere ich das sowieso nicht nochmal, weil dann geht er ins Krankenhaus oder fährt heim, dass er dann noch alleine heimkommt, aber fährt nicht rauf und probiert es zehnmal: Was habe ich jetzt falsch gemacht? Und gerade da ist ja das Wichtige! Weil ich aus meinem beruflichen Background weiß, dass viele Stürze passieren und dann viele Leute einfach auch wieder Angst haben, dass sie auf das Rad steigen, und gerade da denke ich mir, ist es so wichtig, dass ich mich nun mehr mit denen beschäftige, weil nicht Radl fahren ist ja auch keine Lösung, ist ja für die Gesundheit auch nicht gut. Und Martin, magst du da kurz deine Geschichte erzählen?

[16:44] Ja, also zwei... zum einen muss man auch sagen, das ist ja eine sehr kontrollierte Umgebung bei dir im Kurs, was ja super ist, weil dadurch kann man's ja ausprobieren. Also ich weiß, auch bei uns, als wir in dem Kurs waren, in der Gruppe waren wir so, ich glaube, zwei, drei Leute, die auch eher versucht haben, das auszureizen. Also der eine fährt eh regelmäßig Rennen und ist da... aber ich gebe zu, ich bin dann auch so, ja, man hat endlich die Möglichkeit. Und das würde ich mich auch, ich gebe ehrlich zu, selbst auf dem Billa-Parkplatz, glaube ich, nicht trauen, das so auszureizen. Und natürlich bin ich weggerutscht. Ich kann es bis heute nicht genau sagen, was der Fehler ist. Irgendwas habe ich falsch gemacht, war sicher mein Fehler, oder ich habe es zu sehr ausgereizt. Bin weggerutscht, du bist gleich gekommen, hast geschaut, passt eh alles. Es war in Wahrheit nichts. aber das Schöne ist halt, ich habe in dieser kontrollierten umgebung die Sicherheit. Was soll groß passieren ja? Ich bin weggerutscht, ich habe mich raufgesetzt, du hast ein bisschen aufgepasst, ob eh alles in Ordnung ist, und ich bin wieder weitergefahren, und ich hatte... zehn Runden später war das Thema erledigt. Was ja, finde ich, ein ganz wichtiger Faktor und Grund für solche Kurse auch ist. Unter kontrollierten Bedingungen ist so was ja harmlos, wenn mir das im Straßenverkehr passiert, schaut es ein bisschen anders.

[17:46] Also ich habe das letztes Wochenende erlebt, das ist genau die Story, die ich mitgebracht habe. Seit dem Kurs achtet man ja auf Dinge, und ich muss auch ehrlich gestehen, seither merke ich erst, wie viel mehr man sowas üben muss, um es langfristig zu verinnerlichen. Das hast du auch im Kurs gesagt: Leute, es ist mit dem einen Mal nicht getan, ihr müsst es jetzt leben, weil man hat es falsch abgespeichert, ganz viele Sachen. Und ich merke richtig, wie ich jetzt wirklich so viel wie noch nie dieses Jahr gefahren bin am Rad durch unsere Ultrarennen und trotzdem jetzt erst anfange, manche Dinge so wirklich zu verinnerlichen. Ich merke, ich muss bremsen, und auf einmal mache ich nicht wie früher die Hinterbremse, die irgendwie durch... sondern ich mache die Vorderbremse und weiß, ich hebe meine Füße, also genau diese Dinge, die du einem vermittelst. Und jetzt probiere ich es aus und bin am Wochenende gefahren, zu Hause, mit einer Kurve, die ich jetzt, auch wenn du es gerade gesagt hast, sicher öfter mal noch fahren werde, aber trotzdem nicht ständig fahre. Und ich fahre da runter und dachte, na, heute muss ich mal ausprobieren und ausreizen, und habe die Kurven mal deutlich zügiger genommen. Und dann kam der Moment in einer Kurve, wo ich ehrlich sagen muss, dass ich froh bin, dass ich heute hier noch sitze.

[18:47] Weil ich in die Kurve fahre und habe in der Kurve gemerkt: Okay, das geht sich einfach nicht aus. Jetzt konnte ich in dem Moment... Ich war schon sehr in der Schräglage und hab mich nicht mehr getraut, noch weiter reinzugehen, weil ich Angst hatte, jetzt vielleicht rutsche ich jetzt weg, bin dann halt in die Gegenfahrbahn und war froh, dass halt nichts kam. Aber wenn was gekommen wäre, weiß ich auch nicht. Und das ist der Moment, wo mir auch bewusst wurde, ja, man braucht eine kontrollierte Umgebung, um das Ausreizen zu probieren, weil ich war eh schon schnell in der Kurve. Aber ich wollte halt noch mal probieren. was geht noch und das ist glaube ich aber so. der Punkt, der aus meiner Sicht für genau diese Sachen spricht, weil ich weiß, im Aufbaukurs ist das früher, bei dir habe ich die Möglichkeit. Und das ist vielleicht gescheiter, als dass ich es irgendwo in Anführungszeichen probiere, weil man gleichzeitig ja drauf kommt: Ich habe den Kurs gemacht und trotzdem gibt es viele Dinge, die ich noch nicht so habe. Weil wahrscheinlich wäre mit Countersteering dann noch mehr möglich gewesen. Ich bin überzeugt, da wäre wahrscheinlich noch etwas gegangen, aber die Angst sitzt ja trotzdem im Kopf auch wenn man sie stückweise abbaut. Bist du dann die Technik, die wir gelernt haben in dieser Kurve auch wirklich durchgefahren?

[19:48] Oder der Stress hat dich wahrscheinlich dann wieder in den alten Modus, den du seit Jahrzehnten abgespeichert hast quasi zurückfallen lassen. Das ist das was wir besprechen und darum ist der Kurs auch so aufgebaut. Location eins ist Kurvenfahren, Location zwei ist Bremsen, wo du dich austoben kannst ohne Ende. Und Location drei ist eine Weinbergstraße, drei Meter breit. Wenn du die Kurve anbremst, musst du die Kurve auch schaffen, wobei in der ersten Kurve gibt es wirklich einen Notausstieg. Aber wenn du die Kurve dann eben schlecht fährst, kein Countersteering, keine Stabilisierung, dann liegst du im Weingarten unten. Das ist das was du immer hast draußen. Um die Leute wieder auf ein normales Niveau zu bringen, weil eben die Locations so gebaut sind, dass eben keine Kanaldeckel, keine Randsteinkanten, da ist nichts. Egal ob du die Kurve schaffst oder nicht, es ist immer nur Asphalt. Es sind ein paar Linien zum Orientieren, damit wir nicht planlos herumfahren, sonst lernt man nix. Aber sonst kannst du im Prinzip machen, was du willst, und beim Bremsen ist es egal. Du musst nicht stehen bleiben. Es geht immer gerade weiter auf einer Weinbergstraße wo niemand kommt.

[20:48] Also das ist schon auch in diese Richtung und es passiert mir sehr oft dass ich Leuten eigentlich einbremsen muss. Wir dehnen natürlich den aktuellen Stand der meisten Leute, was die Physik anbelangt und auch die Naturgesetze oder die Grenzen anbelangt, dehnen wir sehr weit aus, weil wir einfach bessere Techniken haben, und man weiß dann auch mehr, wo diese Grenzen sind. Und das ist ein ganz klares Ziel und das ist eines der ersten Dinge, die ich sage: Am Abend können alle alles, was ich weitergebe. Also da gibt es keine Ausnahmen. Weil es jeder versteht und jeder umsetzen kann. Und wenn sie am Samstag den Kurs machen und am Sonntag jetzt Wachau-Marathon fahren mit sehr vielen kurzen, aber schnellen Abfahrten, dann können die das. Weil da siehst du die Kurve zwei, drei Sekunden vorher, da ist Zeit genug. Aber in Stress-, Not- und Spontansituationen bist du sehr schnell im alten Modus. Den hast du bis jetzt auch irgendwie überlebt. Aber du kannst es nicht richtig einsetzen. Und wenn du die neuen Techniken einsetzt, die halt ganz andere Abläufe laufen, und du aber im Stress auf die Hälfte vergisst, wie das funktioniert, dann kann das sogar gefährlich werden. Das ist ein ganz klarer Inhalt auf den ich schaue und versuche die Leute ja immer wieder zurückzuholen.

[21:51] Ich kann natürlich in die Leute nicht hineinschauen. Ich kann es nur sagen: Jetzt gehen wir wieder zurück auf richtiges Umsetzen, auf perfekt werden und nicht auf schneller fahren. Weil das ist natürlich in jedem, der irgendwie einen Ehrgeiz hat, und das haben alle in verschiedensten Levels, will der natürlich schneller werden. Die Kurse sind auch auf drei Säulen aufgebaut. Sicherheit... die haben wir zuerst noch nicht fertig gesprochen, diese Begriffsdefinition. Ich habe begonnen mit Fahrrad-Sicherheitsschulungen. Das ist für Alltagsradler, wie man heute den Straßenverkehr überlebt. Unter anderem das Bremsen, das heißt KingBreak. Das hat einen eigenen Namen und heißt auch nicht Brake, quasi Englisch, sondern Break, also so buchstabiert, weil es wirklich 135 Jahre Bremserfahrung durchbricht, weil es ganz anderes Herangehen ist. Und da geht es darum, einfach diese Umsetzung so zu machen, dass man sie in die Richtung hinbringt, dass man auch das Gefühl sehr schnell aufbaut und auch den Kopf mitnimmt.

[22:51] Es sind immer wieder Übungen dabei. Du kannst sehr schnell die Technik umsetzen, aber du kannst... dass das Hirn sagt, es geht nicht. Also die Sicherheitsschulungen sind die einen Dinge. Dann mache ich es in einer einfachen Version, und auch 75-jährige Damen, die seit 30 Jahren auf kein Rad gesessen sind und jetzt ein E-Bike geschenkt bekommen haben, können das umsetzen. Die haben die paar Muskeln, die man braucht, wenn sie so lange aufrecht stehen können, die man auch fürs Bremsen braucht. Und was wir jetzt besprechen ist Rennradfahrtechnik. Also das ist natürlich noch mehr Sicherheit als die Sicherheitsschulungen, ja, die einfachen. Aber es geht sehr viel heute um Technik, und die Säulen sind eben die Sicherheit. Im Kurs haben wir ja schon besprochen, da darf nichts passieren, weil das ist für dich eine Katastrophe, für die anderen Kursteilnehmer sehr unangenehm und für mich ein No-Go. Aber auch dann draußen im Verkehr. Wir sind nicht auf einem Fußballplatz oder irgendwas. Sondern da fahr dein Auto raus, weil es dich unterschätzt. Weil du in einer Ortschaft mit Rückenwind bergab nicht mit zwanzig kommst sondern mit fünfzig. Und wenn du auf den zufährst, kann er die Geschwindigkeit nicht schätzen und fährt raus. Da gibt's nur mehr Bremsen. Weil vorne oder hinten vorbei, weißt du nicht, ob der jetzt stehen bleibt oder noch fährt.

[23:53] Da gibts nur mehr Stehenbleiben. Und die zweite Säule ist Performance. Das ist als Rennsportkurs ausgeschrieben, musst du aber nicht, da wird vorher noch abgefragt: Was machst du? Hast du vor, irgendwelche Wettkämpfe zu bestreiten, oder geht es darum, nur einfach deine Ausfahrten eben besser zu bewältigen? also erst wenn man Sicherheit hat dann kann man auch schneller werden. und hat auch die Technik dazu, überhaupt schneller werden zu können. Und die dritte Säule ist eine der wichtigsten, ist einfach, den Fahrspaß zu haben. Denn es kann nicht sein, dass du ein Hobby hast und dein liebstes Hobby vor dem hast du Angst. Weil du kriegst einfach Angst. Angst ist was Geniales. Sonst wären wir alle schon längst tot.

[24:36] Das sind Dinge programmiert in unserem Kopf, wo wir keine Ahnung von dem Ganzen haben, was wir da machen, egal um was es jetzt geht. Aber das Hirn sagt plötzlich mit Angst: Da hör auf. Weil das gefährdet dein Leben. Das musst du respektieren! Das ist das komische. Frauen machen zum Beispiel absolut nichts was im Leben unnötig gefährlich ist und geben auch zu wenn sie etwas nicht können. Männer sind da etwas anders. Wenn die Gruppe jetzt fährt, bleiben wir beim Radfahren, und der eine traut sich halt nicht so bergab fahren, dann sagt er: Fahr hinter mir nach, ich zeige dir das. Wie das gehen soll, weiß ich nicht. Aber die machen halt dann Dinge, die sie nicht können. Und wenn sie dann vier Monate später aus dem Spital wiederkommen, dann war das sogar cool.

[25:16] Aber das ist das Problem, dass ein Fahrrad eben nicht intuitiv... Wir lernen das sehr automatisch, aber das Fahrrad ist ein technisches Gerät, wo wir in hundert Jahren oder 135 Jahren, wo es Radfahren gibt, mit der Evolution noch gar nichts bewältigt haben. Das passt nicht zusammen und das akzeptiert aber niemand. Also ein Auto, das geht gerade noch, das ist das meiste intuitiv, ein Fahrrad nicht. Und wenn du dann eben dieses Countersteering nicht kannst und wenn du dann Angst kriegst, wenn du schnell über 15 km/h fährst, und du kannst eine Kurve dann in der Kurve nicht noch enger machen, was manchmal der Fall ist, oder du rutschst weg, weil du das Rad nicht ordentlich rüberführst, sondern das Vorderrad im Prinzip mit Lenken querstellst, worauf es natürlich sofort wegrutscht. Wenn du das nicht kannst das ist einfach Technik. Dann liegst du da, ohne zu wissen, was passiert, oder beim Lenken kriegst du Angst, weil es plötzlich nicht mehr lenkbar ist. Du merkst sofort, es funktioniert nicht. Wenn du es noch enger machst, dann stellt sich das Rad auf und lenkt ihn weit in die andere Richtung. Das heißt, du musst etwas Gegenteiliges machen, das passt aber in unser Hirn wieder nicht hinein, in einer Kurve in die andere Richtung zu lenken.

[26:22] Es gibt einen Ablauf, der wieder sehr intuitiv ist ohne nachzudenken. Das ist quasi wie ein Handzeichen geben! Weil du dann mit der inneren Hand führst, und wenn du eine Linkskurve fährst, gibt es normalerweise links ein Handzeichen, wenn du abbiegst. Und das ist die Hand, die nicht mehr wie ein Lenkrad mit zwei Armen auf dem Ding herumwerkelt, sondern wie ein Joystick. Den Joystick hast du selten mit zwei Händen in der Hand. Du arbeitest nur mit einer Hand und die innere Hand ist die Führungshand. Und das ist eben komplett neu Radfahren lernen, zurück wie zu den Anfängen, keiner hat's dir gesagt. Ich erkläre es dir aber schon erst mal, wie das funktioniert. Und mit den Trockenübungen spürst du es auch. Wenn wir das Rad rotieren... Wie du das handhaben musst und wie das reagiert dann? Nämlich wie eine Servo-Lenkung mit ganz wenig Kraft. Das musst du verinnerlichen. Das geht natürlich nicht von jetzt auf gleich. Übung, Übung, Übung. Das ist jetzt kein extra Training, sondern immer wenn du sowieso bremst und sowieso Kurven fährst, dann maximal im neuen Modus. Nicht in der Gruppe natürlich, sondern davor oder dahinter oder wenn du allein fährst. Oder dieses Bremsen, das ist dermaßen effektiv,

[27:25] dass du im Training schauen musst, ob nicht irgendwas hinter dir ist... Ja voll, ja! So muss es wirklich sein. Oder was mir recht taugt, ich meine, die Technik, die du auch schon öfter angewendet hast, des Visualisierens. Du hast das anders angewendet mit deinen Medaillen, dass du das quasi vorgestellt hast, und ich mache das ja auch mit dem Techniktraining, also da habe ich mir ja alles zusammengeschrieben, das habe ich dann von dir noch dankenswerterweise kontrollieren lassen dürfen. Ah ja, kann man erinnern. Genau und da bin ich tatsächlich oft oder meistens sogar vor dem Schlafengehen, habe ich mir die Punkte durchgelesen, und da

[27:56] bin ich im Kopf auch durchgegangen. dass ich weiß, was ich dann auf dem Radl tue, weil alles, was mein Gehirn vorher noch nicht kann, das überfordert mich am Radl. Und ich bin ja trotzdem noch nicht so lange am Rennradl unterwegs, oder noch nicht mit der Ausrüstung und in dem Ausmaß. Und das war mir schon wichtig, weil es ist ja nicht nur die Sicherheit von anderen, sondern meine Sicherheit, dass ich am Ende des Tages wieder gesund heimkomme. Und das hat mir schon viel getaugt, dass ich das quasi so visualisiert habe und verinnerlicht habe, und auch die gewissen Kurven, wo ich gewusst habe, das ist gefährlich, oder die Kurven, gerade zum Beispiel Semmering, wie wir quasi Probe gefahren sind, also wir sind mit dem Auto abgefahren und teilweise auch ein Stückl mit dem Radl für unser Rennen, wo ich gewusst habe, okay, da bergab, das muss ich einfach irgendwie verinnerlichen, dass mein Körper das schon vorher kennt und weiß, dann tue ich mir am Radl viel leichter natürlich. Das sind wieder die ganzen Wiederholungen. Beschäftigen? Genau, beschäftigen! Das ist einfach so. Klassisches Lernen. Also gerade die Jungen, und das hat ja einen Sinn, warum wir Gewohnheits- tiere sind quasi, damit wir nicht jeden Tag alles wieder von neu lernen müssen.

[28:59] Können wir Gewohnheiten abspeichern? Diese Gewohnheiten aber jetzt radikal zu ändern, ist halt brutal. Diese Synapsen, die da im Hirn alles richtig schalten, arbeiten als Junger noch sehr offen. Da kann man auch sehr schnell was verändern. Je älter du bist, umso länger dauert das. Aber auch die ganz Alten schaffen es. Das hat überhaupt nichts mit Alter zu tun. Dauert halt nur ein bisschen länger, bis du das da drinnen hast, und wenn man das berücksichtigt, dann ist das alles kein Problem. Und auch bei mir ist es so, nach der Saison, ich habe letztes Jahr eine relativ lange Saisonpause gehabt aus organisatorischen Gründen, wenn ich dann die Frühjahrsreinigung mache bei meiner Abfahrt, weil da liegt halt noch viel Schotter rum, und wenn die Straßenreinigung noch nicht da war, bevor die Kurse beginnen, darf ich das alles selber machen. Dann fahre ich da auch runter, weil halt noch keine Blätter auf den Weinreben drauf sind, da sehe ich die ganze Strecke ein und kann es da auch einmal richtig geben.

[29:51] Ich habe es nicht verlernt, aber ich hab mich drei oder vier Monate nicht damit beschäftigt. Dann fahre ich halt zehnmal auf und ab und dann geht's schon, weil ich genau sehe, ah, das vergessen, das vergessen, das vergessen. Aber ich habe es schon mal tausendmal besser können, dann gehst du es halt Stück für Stück wieder durch. Was wir machen ist in jedem anderen Sport normal. Du musst die Abläufe in einzelne Teile zerlegen, jeden Teil musst du direkt trainieren. Dann kannst du es zusammensetzen. Wenn du alles auf einmal machen musst, so wie alle Radfahrer, die setzen dich drauf und alles auf einmal. Im Straßenverkehr, wo du noch hunderte Sachen hast, die relevant sind, die du nicht ignorieren kannst, den Lkw oder die Verkehrsregeln oder die Leitschiene oder den Rollsplitt, das kannst du ja nicht ignorieren. Ich rede aus eigener Erfahrung. Bei mir war es so, dass ich nicht einmal so Trinkflaschen und Schneuzen... habe überlegen müssen, ob ich nicht stehen bleibe, am Anfang. Ist auch normal. Das muss man halt einfach lernen. In dem Moment, wo du Angst kriegst, mach nicht weiter. Das sagt dir halt dein Hausverstand quasi. Nur halt bei Radfahrern ist es oft so, dass man halt glaubt, man kann eh schon alles. Es ist hundertmal gut gegangen. Es kommen schon sehr viele Leute, die mit Ötztaler Marathon... das ist der Klassiker.

[30:54] Die meisten Höhenmeter sind... und, und, und. Und es wird halt marketingtechnisch hervorragend gemacht, dass du dann zum Kaiser aufsteigst, wenn du es einmal überlebt hast und dir deine Finisher-Medaille da abgeholt hast. Es kommen Leute, die viele Marathons schon gefahren sind, jetzt erstmals den Ötztaler Marathon fahren, weil sie wissen, schon bei den normalen Marathons, das ist schon ein Problem, wie sollen sie das dann dort schaffen, auf hochalpinen Abfahrten über 5.500 Höhenmeter auch schnell wieder runterzufahren. Oder es kommen Leute, die es schon mehrfach gemacht haben und sagen, jedes Mal habe ich... das ist eigentlich das Einzige, was mir richtig am Geist geht, wie sie Angst haben. Sie geben es zwar nicht offen zu, aber es ist ihnen extrem unangenehm, und das ist auch richtig so. Sie fahren Gott sei Dank dann nicht so schnell. Das ist immer das Highlight nach dem Ötztaler Marathon, da kriege ich die meisten Feedbacks von denen, die irgendwann einmal bei mir waren. Und jetzt war einer, der war ein paar Tage vorher erst da, weil er keinen anderen Termin mehr gekriegt hat. Ja, das ist super! Und dann hat er gesagt, einer ist noch vorbeigefahren, mehr nicht. Dann haben wir geschaut, das war einer, der drei Monate vorher da war.

[31:56] Ich habe gesagt, okay, ich glaube, das ist ein Wahnsinniger. Ja, nein, der hat's auch können. Und Punkt der Angst, das würde mich interessieren, Roland. Hast du in deiner aktiven Karriere auch irgendwann einmal Angst gehabt in einer Kurve? Ja natürlich! Ich bin auch immer mit Fahrgefühl gefahren. Ich habe das schon sehr ausgereizt und ich hab ein extremes Gefühl gehabt. Ich habe mein Gefühl perfektioniert, weil ich mich noch zusätzlich und bewusst damit beschäftigt habe, und habe dadurch die anderen Profis der Welt, die ein gutes und sehr gutes Fahrgefühl haben, im Griff gehabt. Im Prinzip, ich habe nur meine Fehler besser kaschieren können oder ich habe weniger Patzer gemacht als die anderen. Ich habe Gefühl für falsche Abläufe aufgebaut. Deswegen wird das Ganze nicht richtig, und auch wenn es alle machen, wird es auch nicht richtig. Natürlich kannst du falsche Abläufe auch so im Griff haben, dass du das überlebst. Aber mehr ist es nicht und das ist fast immer noch der Status. Weil wenn du Profis anschaust, die machen das Maximum, was sie bewusst trainieren, ist beim Frühjahrstrainingslager im Jänner, wo sie im November mal drei Wochen oder so weniger bis gar nichts gefahren sind.

[33:00] Dann mieten sie eine Go-Kart-Bahn in Barcelona oder irgendwo für einen halben Tag und die ganze Gruppe schmeißt sich drauf und fährt halt da im Peloton einmal ein paar Runden links, rechts, links, rechts, ohne irgendeine Schulung, ohne was. Das ist wieder nur Gefühl aufbauen. Man kann ja lernen, dann wirst du wirklich durchfahren. Oder, ich weiß nicht, ob ihr das gesehen habt, von Zwift gibt es diese Academy, junge Leute können sich da qualifizieren über ihre Werte, die sie halt weltweit zusammensammeln. Meistens sind es eh schon ein bisschen Rennfahrer und so, und die werden dann, Männer und Frauen, zusammengesammelt, machen ein Trainingslager mit den Profis und fahren dann auch auf diesem Parcours, aber es erklärt ihnen wieder niemand was. Das ist halt Gefühl. Es ist super, es ist einmal gut, sie beschäftigen sich bloß damit, aber wieder nur, um das Gefühl für die falschen Abläufe zu perfektionieren. Und es gibt schon Leute, die sich damit... es ist nicht alles von mir, ja? Aber es beschäftigen sich schon auch andere, aber sehr wenige damit. Das sind aber auch nur so einzelne Dinge, aber diese Umsetzung funktioniert dann auch nicht wirklich.

[34:03] Also der Oskar Seitz, glaube ich, Der macht das seit zehn oder noch mehr Jahren. Das ist einer aus Barcelona, den ich einmal gesehen habe, mit dem damaligen Israel-Team vor drei, vier Jahren hat er so ein Training gemacht. Genau das Gleiche wie ich. Irgendwo in einer Industrieecke sind sie ein bisschen auf einer Ebene, Profis können halt sehr schnell beschleunigen, also kann man in der Ebene Bremsen trainieren, dann sind sie ein bissel Kurven gefahren und dann sind sie die Abfahrt gegangen. Aber so eine richtige Abfahrt hat er einfach nur so runtergefahren, so lang gezogene Kurven. Aber im ganzen Bericht habe ich nicht eine Erklärung über irgendwas gehört, das waren alles nur so schwammige Geschichten. Das heißt... ich will ihm nix unterstellen, aber das, was ich da im Video gesehen habe, der hat auch nur versucht, Gefühl zu vermitteln. Da war nicht viel dahinter! Also es waren schon richtige... die Umsetzung war gar nicht so falsch, aber er hat es nicht erklären können. Er hat nur gesagt: Mach das. Aber es ist sonst nicht viel dahinter gewesen. Und es gibt schon Leute auch jetzt im Internet, wenn du genau schaust... Also entweder halt findest du, wenn du Rennradfahrtechnik suchst, speziell auf YouTube eine Menge Tutorials, wo du aber dann Ex-Profis siehst, die sich nur knapp vorher: Oh, jetzt muss ich ein Tutorial über Bremsen machen.

[35:07] was ist denn da eigentlich? Dann schaut er nach, kommt drauf, Motorrad und Mountainbike, schaut sich ein paar Skills ab und versucht es dann umzusetzen. Also stehend am Rad, ganz hinter dem Sattel, irgendwie bremsen. Also genau, wenn er den Kurs einmal gemacht hat: eine Katastrophe. Das wird überhaupt nix. Da kannst du weder schnell fahren noch schnell bremsen. Du kannst dich nur überschlagen oder nicht bremsen. Zwei Möglichkeiten gibt es, aber bremsen geht nicht. Mountainbiker brauchen das, weil die bremsen über Wurzeln. Wenn du da sitzen bleibst, katapultiert es dich weg. Aber die Bremsung ist halt nicht optimal. Aber für das Eck ist es halt so.

[35:45] Die Zusammenfassung von dem Ganzen ist halt das Neue, dass es auch keine Limits gibt. Es ist so, dass bei mir, und das ist ja auch sonst nirgends üblich, dass es keine Levels gibt. Beim Bergsteigen, beim Skikurs, überall gibt's verschiedene Level: Anfänger, Erfahrene und extrem Fortgeschrittene. Gibt's bei mir nicht. Letztes Jahr hat es einen Kurs gegeben, und ich arbeite meistens so mit sieben bis maximal acht Leuten. Bei den Vereinen, die schon Training mehr gewohnt sind, passen auch acht Leute auf diese Parcours, dass jeder allein trainieren kann, und ich kann jeden individuell betreuen. Ich habe das nur im Blick, aber mehr nicht, weil dann würde die Qualität leiden. Und da war ein Kurs mit einem Anfänger, das heißt, der hat Radfahren können. Er hat zuerst mal sein Rennrad gekauft und hat gute Überlegungen gehabt: Bevor ich mit diesem sauteuren Ding jetzt auf die Straße gehe, lerne ich mal, wie das funktioniert. Da waren zwei Leute... Da kann man nur gratulieren zu dieser Idee. Ist nicht so schlecht! Was logisch ist in jeder anderen Sportart. Dann waren zwei Leute, die halt den Ötztaler Radmarathon schon mehrfach gefahren sind, dann war eine Athletin, junge Athletin, Lizenzfahrerin aus der Steiermark, eine Ungarin, die früher mal in der World Tour gefahren ist, und die Anna Kiesenhofer, Olympiasiegerin im Straßenfahren.

[36:49] Der Anfänger ist gekommen und hat gesagt: Ich bin ein Anfänger, jetzt soll ich mit der Olympiasiegerin trainieren? Was ist mit dir? Sag ich: Egal, die muss genauso vom Grund auf lernen. Weil sie auch weiß, sie hat das nie gelernt, unsere Frau, die gibt das zu. Und ja, ist natürlich schwierig teilweise, weil schon so viele eingefahrene Dinge sind, weil sie sehr viel Gefühl auch für Geschwindigkeit und sonstige Abläufe hat. Es ist fast schwieriger, das weiterzugeben, weil sie sieht auch nichts anderes im Peloton der World Tour. Es ist natürlich auch schwierig für Leute, die glauben schon, sie sind gut, die sind komplett baff, was sie da alles erleben. Die Anfänger sind einfach. Weil die erwarten, dass sie was Neues lernen. Die wissen ja gar nicht, was auf sie zukommt. Die sind nicht überrascht. Überrascht sind die, die dann mitkommen. Klassiker ist, man schickt die Frau mit Gutschein zum Geburtstag, weil sie fahren miteinander trainieren. Frau hat 50 Kilo, fährt super bergauf, bergab muss er ewig warten. Das ist der Klassiker. Dann kann ich ihn meistens überreden dazu.

[37:52] Du mach einmal miteinander mit der Frau was. Das ist schon mal das Geschenk mit Mehrwert, als wenn du sie irgendwo hinschickst. Und für dich ist es auch nicht schlecht. Nicht für dich, sondern sie muss das noch verinnerlichen, und dass du weißt, was ich ihr erzählt habe, nur so kannst du sie weiterführen sonst macht es nicht sehr viel Sinn. Na ja gut, der kommt halt wieder willig mit, halt aus Liebe zur Frau. Das dauert keine Stunde. Spätestens beim Countersteering: Boah, was machen wir denn da jetzt? Stabilisieren ist ja schon eine ganz einfache Sache. Da wollen die Halben schon nach Hause gehen, weil das war das Geld schon wert. Also merke ich einmal das Rad tut das was ich will. Auf die Leute musst du natürlich aufpassen, weil die glauben ja dann plötzlich, es gibt überhaupt keine Grenzen mehr. Das ist schwierig, wenn du auf sieben, acht Leute gleichzeitig schauen musst, und ich bin nicht überall gleich daneben. Also das sind die klassischen Abläufe, die ich permanent erwische, also die mir immer wieder zugetragen werden. Oder ich trau mich schon sagen, 99 Prozent der Frauen kommen vorher zu mir und nehmen mich auf die... Roland! Ich bin ein Schisser.

[38:53] ja, da musst du aufpassen auf mich. Sag ich: Ja, das sind eh alle. Das ist auch gut so, weil du einfach nicht weißt, wie es läuft. aber mach einfach mit und dann wird das schon passen. Da merkt man, wie das Selbstvertrauen sehr schnell steigt, das Vertrauen in sich selber und natürlich auch mir gegenüber, weil eben für Anfänger, aber auch insbesondere für Erfahrene so viele krasse Aha-Momente dabei sind, wo dann doch Demut einschreitet, wobei ich habe da schon jemanden an der Name gehabt. Der hat mit dieser kognitiven Dissonanz nicht umgehen können. Ich sag' nicht wer das war! Egal... der hat das im ganzen Tag bekämpft, dass das ein Schwachsinn ist. Alle haben's können. Wer das eigentlich können sollte, wer macht's beruflich, im ganz konkreten Sinne, kommt aber aus der Mountainbike-Szene, und ich war's gewohnt, so wie wir es zuerst gesagt haben, dass einfach die Mountainbiker die Techniker sind und die Straßenfahrer fragen, wie's geht. Und keiner hat es hinterfragt, dass das dort nicht funktioniert. Dann erkläre ich plötzlich ganz andere Sachen, die er noch nie gehört, noch nie gemacht und sich noch nie damit beschäftigt hat. Komplettverweigerung.

[39:57] Das ist alles ein Blödsinn! Also das kann natürlich auch passieren. Das ist ja auch beim Radlfahren das Schwierige, weil es will ja keiner zugeben, weil das hat man ja als Kind auch gelernt, und will ja keiner zugeben, dass er schlecht ist. Aber ich denke mir, da muss man die Stärke besitzen und sagen, ja, man kann da was Neues lernen, und auch wenn ich das nicht weiß, bin ich deswegen kein schlechterer Radlfahrer, sondern kann ja nur was verbessern und noch schneller und besser werden. Das sind die Hauptprobleme in meinem Business, dass das nicht super ist und sofort angenommen wird wie jedes andere Ding: noch ein geilerer Computer, noch eine bessere Aerodynamik, noch ein besseres Training, noch eine bessere Nutrition, noch ein besseres Irgendwas. Ja, das wird aufgesaugt bis zum Geht-nicht-mehr. Jeder hängt bei den Messen irgendwo herum und erwartet irgendwelche geilen Dinge, die er dann um wahnsinns Geld kauft. Ich muss da immer an die Geschichte denken, was du erzählst mit dem Kreisverkehr.

[40:45] Ich weiß nicht mehr, welcher Spitzenrenner... Olympische Spiele, Paris. Genau, das war's. Und das... An das denke ich immer... Leider hat es die Damen erwischt, Triathlon beim Bewerb direkt, und beim Zeitfahren der Damen beim Radrennen hat es geregnet. Ja, Paris, das war sehr viel in der Stadt, sehr viele Kurven.

[41:07] Da ist es halt darum gegangen, dass man mal richtig lernt, um eine Kurve zu fahren. Also das Countersteering und Stabilisieren natürlich eine ganz wichtige Sache, weil ich eben das Vorderrad mit Lenken querstelle, und das rutscht sofort weg. Mit Countersteering und Stabilisieren kann ich mehr Grip aufbauen und führe das Rad hinüber. Jede Kurve... man kann auch nicht sehr viel schneller fahren, aber es reicht, um nicht wegzufliegen, weil es sind genug andere auch nicht gestürzt. Und der Kreisverkehr ist halt etwas, was... Das brauchst du nur einmal eher sagen. Ich kann es dir sagen, weil es eh so primitiv ist. im Prinzip Warum muss man in den Kreisverkehr anders fahren wie alle anderen Kurven? Da kommt dann das Trägheitsgesetz ins Spiel, da geht es darum. Trägheitsgesetz heißt immer gleiche Richtung, immer gleiche Geschwindigkeit. Wenn du jetzt eine Kurve fährst und du denkst an die Radrennbahn, dann wird der Untergrund halt nicht flach, sondern der wird aufgestellt, damit du einen besseren Winkel hast, dass es nicht so schnell wegrutscht. Das Zusätzliche ist noch, dass durch das Trägheitsgesetz es dich hineindrückt in die Bahn, da hat jeder Anpressdruck. Dadurch hast du auch mehr Grip. Und wenn du trotzdem noch nach oben wegrutschen solltest, ist da immer noch ein Untergrund.

[42:12] Das hat jeder schon mal erlebt, dass es leicht wegrutscht und der Reifen fängt sich trotzdem noch einmal. Aber wenn du jetzt da einen Kreisverkehr bauen würdest wie eine Radrennbahn, als Trichter, und es fängt an zum Regnen, geht das sofort über, oder du musst eine Drainage bauen, die achtmal so teuer ist wie der Kreisverkehr selber, damit das Wasser abrinnt. Das ist immer verkehrt gebaut, also eine verkehrte Steilkurve. Und wenn's nach außen hängt, hast du, ohne dass du es merkst, plötzlich einen ganz anderen Winkel unter dir. Und wenn das wegrutscht, das rutscht nämlich deswegen weg, weil's abhebt. Das ist, wie wenn du über den Hügel drüberfährst. Trägheitsgesetz, immer gleiche Richtung, immer gleiche Geschwindigkeit, deine ganze Masse geht quasi in die Luft weg. Da ist nichts mehr da, wo es sich anhalten kann. Du stürzt von jetzt auf gleich! Das wird im Trockenen noch sehr oft verziehen. Aber im Nassen nicht mehr. Und darum sind fast alle Österreicher, die sich viel darauf vorbereitet haben, oder Österreicherinnen, die hat es im Regen erwischt. Sonst hätte es die Männer auch erwischt. Das ist sehr oft auch bezeichnend, wenn es regnet, bei der Tour de France: Die liegen alle im Kreisverkehr. Ja, ich glaube, weil selbst so banale Sachen hinkt

[43:13] und das ist einem keinem bewusst. Und das ist einfach so wichtig! Und jetzt mal vor dem Kreisverkehr, ich habe immer deine Worte in den Ohren. Du musst nur schauen, es ist nicht jeder Kreisverkehr gleich. Manche sind im Nachhinein eingebaut, eine Seite ist flacher, die kannst du voll durchfahren, die andere hängt vielleicht zu extrem. Aber das hat das Hirnkastl schon beim Fahren... ... vom Kreisverkehr kommt, aber grundsätzlich: Und je mehr du ohnehin schon das dann ausreizt, Also wenn ich da mit 5 km/h reintuckere... Alles egal. Aber redet Olympische Spiele, Zeitfahren voll durch, weil du da alles rausholen willst, dann bist du nicht weg. Und es gibt natürlich andere Situationen auch, wo du keine Steilkurve hast, so wie fast jede Kurve auch im Flachen als Steilkurve gebaut wird oder fast jede Serpentine in unseren Breiten als Steilkurve gebaut wird, wo du mehr Sicherheit hast. Aber wenn es jetzt eine gerade Straße über die Wiese runtergeht und dann ist eine Abzweigung zum Bauernhof, dann wird diese Kreuzung nicht eingeebnet. Dann hängt es dort auch in einer Kurve raus, also einfach ein bisschen ein Auge dafür haben: Hängt die Kurve raus oder nicht? So wie du halt schaust, liegt der Schotter oder ist das Öl noch da. Die Chance hast du halt nicht so oft, weil im Straßenverkehr sieben andere Dinge sind, die noch relevanter sind als: Hängt die Kurve oder nicht?

[44:19] Das ist ja das Schöne, weil da kriegt man so ein Gefühl eben vermittelt, dass man checkt, Radl fahren ist nicht nur treten und fahren, sondern dass du einfach wirklich schaust, wie ist der Belag, wie geht die Kurve? Irgendwann verinnerlicht es sich eh und es geht automatisch, aber du musst dir am Anfang bewusst werden, mit welchem Material du da unterwegs bist. Da sind wir wieder bei einer anderen Sportart: Ist der Ball heute ein bisschen weicher oder härter oder wie auch immer, dass du wirklich ein Gespür für das Ganze kriegst. Und man denkt halt generell, finde ich, seither viel mehr nach, also erst recht auf unbekannten Strecken. Auf bekannten Strecken, da weiß ich genau, die Kurve geht so weit, hängt so rein, ähnlich wie du es bei deinen drei Stationen quasi hast, da hast du ja auch bei der letzten gesagt, ja, guck mal, ich kenne jetzt die Kurve, und je öfter man sie fährt, umso mehr weiß man, ah ja, okay. Da ist der Einlenkpunkt oder so Geschichten. Aber ich finde, gerade bei Strecken, die ich nicht kenne oder so, fahr ich jetzt viel mehr denkend, also tatsächlich so, aha, da kommt eine Kurve. Ja, Moment, erstens außen anfahren. Wo ist der Apex ungefähr? also wie will ich's denn? Man denkt vorher nach, das passiert natürlich im Bruchteil einer Sekunde.

[45:20] Also ich tucke da jetzt nicht hin und bleib mal eine Minute stehen und schaue es an, aber ich finde, das habe ich vorher sicher nicht in der Form gehabt. Ja, weil es das auch nicht warst. Also du hast das Wissen einfach nicht. So ist's mir gegangen, und ich glaube schon, dass es da vielen Leuten so geht. Also gerade, ich komme doch eben beruflich zu vielen Menschen, und da redet man halt, und ja, was machst du für Sportarten? Was mache ich für eine? Dann redest du halt drüber, und da kommen wir echt drauf. Es ist einfach so wenig Wissen, einfach auch noch da. Und was du nicht weißt, weißt du ja nicht, dass es das gibt quasi. Und das ist schon voll spannend. Dann der Aha-Moment, so, ah ja, da kann man ja was machen, dass man noch schneller ist. oder selbst bei mir. Ich kann mich erinnern, auf den Kanaren, den Martin beim Bergrunterfahren, ich bin ihm nicht nachgekommen, weil ich mir gedacht habe, so, wie macht der das, dass der da so schnell ist? Und eh, nach deinem Kurs... Das war noch vor deinem kurs? Ja Genau, das war vor deinem Kurs. Und nach deinem Kurs haben wir gedacht, ah, jetzt schaffe ich das auch, endlich einmal, dass ich ein bisschen schneller bin, dass ich ihm zumindest irgendwie ein bisschen nachkomme. Also das ist schon cool. Dann ist es noch der Gewichtsunterschied und die Geschwindigkeit, aber es ist nicht mehr das Fahren. Es macht schon dann richtig Spaß nämlich

[46:22] Dani, was du gesagt hast, ganz richtig: treten und fallen. Das geht rauf bis in die World Tour zu den Scouts oder den Directeurs sportifs, wie man es nennt. Die suchen extrem viele Leute einfach nur über Power aus. Also von Zwift angefangen, wo du überhaupt nicht Rad fahren können musst, sondern nur, wenn du nicht lügst bei deinen Körpergrößen und Gewicht, kannst du weltweit nachschauen, wer da irgendwelche Wattwerte über irgendwelche Distanzen oder Zeiten jetzt treten kann. Und darum gibt es eben diese vielen Quereinsteiger aus allen Sportarten, die halt alle Rad fahren, weil das ist halt im Prinzip die Sportart, die am schonendsten ist für den Körper, was Grundlagenausdauer anbelangt, und auch die reinen Sprinter, die ja vielleicht 10 bis 20 Sekunden Wettkampfzeit haben, trainieren stundenlang, um einfach mehr trainieren zu können. Also das ist eine ganz normale Geschichte, aber es wird überhaupt nicht mehr darauf geschaut: Wie ist dieser Spirit dahinter, dass man beim Radfahren auch das Ganze in Erfolg umsetzt? Weil es geht nicht nur um Leistung. Leistung ist eigentlich selbstverständlich aber... Beim Radfahren geht es um sehr viele andere Dinge, dass du dann als erstes auf der Ziellinie bist.

[47:25] Und mit dem wird halt sehr wenig gearbeitet. Es wird natürlich Lead-out zum Beispiel... Wie führt man den Sprinter bis zur 200-Meter-Marke? Wie wird Seitenwindkante trainiert? Da gibt's schon eigene Techniktrainer dafür. Das gibt's ja. Aber das sind auch wieder so normale Abläufe, die du sonst auch nicht so leicht irgendwo normal lernen kannst, da wird bewusst trainiert. Aber die Basics, Kurvenfahren, Bremsen, Abfahrt, das ist jedem zu minder. Das können wir ja.

[47:59] Ja, und hier, glaube ich, ist es ganz gut, eine Pause, einen Schnitt zu machen. Das ist unfassbar spannend, Dani, oder? War richtig spannend, da mit Roland zu quatschen. Also an alle da draußen, wer sich jetzt wundert, warum das so abrupt abbricht: Es ist einfach in Summe doch anderthalb Stunden geworden. Haben wir uns gedacht, nein, da schimpfen wieder alle mit uns, wenn wir das jetzt in eine Folge geben. Deshalb gibt's jetzt hier einfach einen Cut. Das ist jetzt unser künstlerisches Werk. Überhaupt bleibt es spannend, was nächste Woche dann alles noch in der zweiten Hälfte zu hören ist. Da können wir schon ein bisschen verraten. Also der Roland erzählt uns ein wenig, was die Daten so ein bisschen mit dem Sport gemacht haben, besonders eben mit Radsport. Und er hat da eine ganz interessante Idee, dass Radlfahrer auch so eine Lizenz lösen müssten, seiner Meinung nach, wie bei der Formel 1 zum Beispiel. Und was wir auch noch diskutiert haben, was ich auch sehr spannend finde, dass ja im Fernsehen, wenn ein Sturz passiert, über alles andere geredet wird, aber nur nicht über das, dass das auch einfach nur ein Fahrfehler sein könnte.

[49:00] Also da kommen viele Dinge. Stay tuned da draußen, Teil 2 nächste Woche, unbedingt wieder einschalten, und wir gönnen uns jetzt hier mal einen erholsamen Recovery Drink, würde ich sagen, und freuen uns, wenn ihr nächste Woche wieder einschaltet. Wie immer übergebe ich für die letzten Worte an Dani. Danke Dani, dass wir gemeinsam dieses coole Gespräch hier mit dem Roland haben führen dürfen, macht immer wieder Spaß! Und an alle da draußen stay tuned und schöne Grüße an die Füße! Das war mein Schlusswort gewesen. Das war mit, ja... Schöne Grüße an die

[49:40] Füße.

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Die ganze Folge zum Hören: https://watt-the-f.com/podcast/28-das-radl-ist-mit-mir-gefahren/
