# Sicher bergab und bei Nässe: was uns das Fahrtechniktraining gebracht hat

> Kurveninneres Bein oben, Kreisverkehre hängen nach außen, weiße Linien sind im Regen spiegelglatt: was wir im Fahrtechniktraining gelernt haben und was wir auf eure Fragen antworten.

**Beitrag:** https://watt-the-f.com/journal/sicher-bergab-fahren/ · 2026-06-12 · Dani & Martin

Dazu im Podcast: [#11 Fahrtechnik ist sexy - Fragt den Semmering](https://watt-the-f.com/podcast/11-fahrtechnik-ist-sexy/)

Wie wird man beim Bergabfahren sicherer? Die Frage hat uns auf Instagram erreicht, und pauschal beantworten lässt sie sich nicht. Was wir sagen können: Uns beiden hat ein Tag Fahrtechniktraining mehr gebracht als viele Trainingskilometer. Vor dem Race Around Niederösterreich haben wir bei Roland Königshofer ein Rennrad-Fahrtechnik- und Sicherheitstraining gemacht, einen Ganztageskurs, der auch im Kopf richtig fordert. Am Ende waren wir uns mit den anderen Teilnehmenden einig: Man ist endlich Fahrer auf seinem Rad und nicht mehr nur Passagier.

## Was es im Rennen gebracht hat

Beim Rennen fuhr Dani die lange, verwinkelte Abfahrt vom Semmering, teilweise nass und nach vielen Stunden im Sattel, und kam lange nicht an einem anderen Teilnehmer vorbei. Dann traute sie sich und war weg. Martin hat Roland das Video aus dem Begleitauto geschickt, und seine Rückmeldung war sinngemäß: Dani fährt mit ausreichend Sicherheit, ein bisschen fehlt noch das Rennfahrerische, also mehr Ideallinie und später bremsen, aber bei so einem Rennen sind Sicherheit und weniger Stress ungleich wichtiger. Dass sie sich am Gegner vorbeigetraut hat, rechnet er ihr hoch an.

Dani hat spät mit dem Rennrad angefangen. Als sie vom Kurs erzählte, kam aus dem Umfeld eher ein „Was ist denn mit dir?“, aber ihr ist ihre Sicherheit mehr wert. Nach dem Kurs hat sie das Gelernte zu Hause aufgeschrieben, im Kopf durchgespielt und auf einem Parkplatz mit Hütchen und Flaschen geübt.

Gerade im Ultracycling wird das unterschätzt. Wer müde ist, und das ist man nach vielen Stunden, braucht sichere Technik noch mehr, und ohne Begleitfahrzeug erst recht. Wer jede Kurve mit beiden Bremsen hinunterschleicht, verliert auf langen Strecken nicht Sekunden, sondern Minuten bis Stunden, und das Risiko wegzurutschen steigt. Viele halten sich für gute Abfahrer, weil noch nie etwas passiert ist. Zwischen aktiv steuern und nach Gefühl fahren liegt aber ein Riesenunterschied.

## Bergab: die Grundregel und der Rest

**In der Kurve ist das kurveninnere Bein oben.** Das ist die absolute Grundregel, egal was man fährt. Sonst kann in der Schräglage das Pedal am Boden schleifen, und dann hat man plötzlich einen dritten Punkt am Boden, der das ganze Gleichgewicht durcheinanderbringt. Von dort ist es zum Wegrutschen nicht mehr weit.

**Kreisverkehre hängen nach außen.** Normale Kurven hängen nach innen und geben einem Gegendruck, Kreisverkehre neigen sich wegen des Wassers nach außen und tragen einen hinaus. Also Tempo raus. Das war einer der Aha-Momente im Kurs, weil man es einfach nie hinterfragt hat.

**Rantasten statt Vollgas.** Nicht gleich die italienischen oder Südtiroler Pässe, sondern sich bei uns im Mühlviertel oder im Salzkammergut Stück für Stück herantasten. Man darf nicht vergessen, wie ungeschützt man bergab ist. Motorradfahrer fahren dieselben Straßen oft nicht viel schneller als wir, aber mit Helm, Handschuhen, Kombi, Protektoren, festen Schuhen und 15 bis 25 Zentimeter breiten Reifen. Wir sitzen kurzärmlig in einem halben Millimeter Polyester auf drei Zentimeter breiten Reifen, eingeklickt und in Radschuhen, die keinen Knöchel schützen.

**Üben, bis es sitzt.** Das ist motorisches Lernen wie eine neue Sprache und braucht viele Wiederholungen. Am besten in Ruhe auf einer freien, ebenen Fläche, immer wieder dieselbe Kurve, ohne falschen Stolz. Im Straßenverkehr kommen zu viele andere Dinge dazu. Auch bei uns sitzt noch nicht alles: In Notsituationen klappt es immer öfter so, wie es im Kurs erklärt wurde, manches ist aber so tief falsch abgespeichert, dass es noch dauert.

## Nasse Fahrbahn

- **Tempo raus.** Kurven sind bei Nässe noch einmal etwas anderes als die Gerade.
- **Weiße Markierungen und Zebrastreifen meiden.** Die sind bei Nässe teilweise spiegelglatt, im Herbst kommt Laub dazu.
- **Pfützen ernst nehmen.** Ein Schlagloch voller Wasser sieht man nicht, und wie tief es ist, merkt man erst beim Drüberfahren, im harmlosen Fall mit einem Platten.
- **Spurrillen voller Wasser auslassen**, auch mit dem Rad gibt es einen Effekt ähnlich wie Aquaplaning.
- **Die richtige Brille.** Mit der dunklen Brille bei schlechtem Wetter sieht man gar nichts mehr, ohne Brille hat man Regen und Schweiß in den Augen.
- **Etwas weniger Luftdruck** als im Trockenen, damit der Reifen mehr aufliegt und mehr Grip hat.
- **Reifen mit Profil.** Manche Reifen eignen sich für Nässe besser als andere. Für den Arbeitsweg an Regentagen lohnt sich auch einmal das Gravelbike.

## Und wenn man Angst vor dem Rad hat?

Auch diese Frage kam, und die Antwort ist ja, Radfahren kann trotzdem etwas für dich sein. Langsam Kontakt aufbauen, das Rad einfach einmal angreifen, vielleicht am Ergometer anfangen, wo man nicht umfallen kann, und mit Turnschuhen, damit die Hürde klein bleibt. Danach meldet man sich für ein Ultrarennen an, so wie Dani. Trau dich drüber, das wird was.
