# Race Around Niederösterreich 2026: 21 Stunden 33 Minuten im Regen

> Freitagabend in Weitra, 600 Kilometer vor uns, und nach fünf Minuten regnete es. Wie wir das RAN im 2er-Mixed gefahren sind und warum unser Pacecar zum Waschsalon wurde.

**Beitrag:** https://watt-the-f.com/journal/ran-2026/ · 2026-05-22 · Dani & Martin

Dazu im Podcast: [#8 Der Geruch von nassen Socken und Erfolg – Unser RAN 2026](https://watt-the-f.com/podcast/8-der-geruch-von-nassen-socken-und-erfolg/), [#7 600 Kilometer, ein Charity-Projekt und ein ziemlich verrückter Plan – Geht’s jetzt wirklich los?](https://watt-the-f.com/podcast/7-600-kilometer-ein-charity-projekt-und-ein-ziemlich-verrueckter/), [#6 Riesenschraube & lange Beine – Große Ziele und warum jeder Kilometer etwas bewegen kann](https://watt-the-f.com/podcast/6-riesenschraube-lange-beine/), [#11 Fahrtechnik ist sexy - Fragt den Semmering](https://watt-the-f.com/podcast/11-fahrtechnik-ist-sexy/)

Freitagabend, 15. Mai, 20:20 Uhr in Weitra. Dani steht mit der Startnummer 211 am Helm auf der Bühne, das Startinterview ist gegeben, das Team vorgestellt, und hinter ihr wartet das Pacecar, in dem Martin neben Mario sitzt. Dann rollt sie los, hinaus in einen frischen, noch trockenen Abend, und für ein paar Minuten sieht es so aus, als könnte das Wetter halten. Es hält keine fünf Minuten. Nach zwanzig Minuten schüttet es, und daran wird sich bis ins Ziel kaum etwas ändern.

Das Race Around Niederösterreich führt über 600 Kilometer und 6.000 Höhenmeter einmal rund um das Bundesland, mit Start und Ziel in Weitra. Wir fuhren es als Mixed-Duo mit Begleitung: Einer sitzt auf dem Rad, der andere erholt sich im Pacecar, und alle 45 Minuten wird gewechselt. Das Pacecar ist unser Begleitfahrzeug, das nachts immer direkt hinter dem Rad bleiben muss. Für unser erstes gemeinsames Ultrarennen hatten wir uns drei Ziele gesetzt: gesund und unverletzt ankommen, Spaß haben, unter 22 Stunden bleiben.

Ohne die Crew im Pacecar hätten wir keins davon geschafft. Mario Rametsteiner, unser Teamchef, hat schon Rennen rund um Österreich und quer durch Amerika betreut. Benjamin Rulf, bei uns nur Benji, erlebte sein erstes Ultrarennen und kümmerte sich um die Räder und um uns. Dazu kamen Thomas und Dominik Haas, Vater und Sohn, die wir liebevoll die Haas Brothers nennen. Legt man den beiden ein Problem hin, haben sie sofort zehn Lösungen. Dominik lotste uns per Funk durch die Strecke, und Thomas, der das RAN selbst schon in 21:05 Stunden beendet hat und als erster Diabetiker das Race Across America, war der Erfahrenste im Auto. An der Strecke fotografierte Anzhelika Freudenthaler, und unsere Media-Crew, Andreas und ein zweiter Martin, den alle nur Doc nennen, hielt alle auf dem Laufenden. Zusammen mit Elisabeth blieben die beiden als Fanclub bis ins Ziel dabei.

Die zwei Wochen vor diesem Freitagabend waren, ehrlich gesagt, eine Hölle. Für Social Media fanden wir lange niemanden, bei der Bedruckung der Bekleidung sah es ähnlich aus, und Danis neuer Lenker hatte Lieferverzögerung, sodass sie am Ende ohne Auflieger fahren musste.

## Die Nacht

Die ersten Schichten waren unruhig. Weil alle Teams im Abstand von zwei Minuten starten, sortiert sich das Feld erst im Lauf der ersten Stunden, und bis dahin holt man ständig jemanden ein oder wird selbst eingeholt. Jedes dieser Manöver verleitet dazu, zu fest in die Pedale zu treten, und die vielen Pacecars mussten sich nachts im Regen hinter ihren Fahrern aneinander vorbeischieben. Hut ab vor allen, die dabei am Steuer saßen. Nach ihrer ersten Schicht stieg Dani nass und durchgefroren ins Auto und war trotzdem begeistert davon, mit dem ganzen Team im Rücken durch die Nacht zu fahren. Ab der dritten Schicht hatten wir unseren Rhythmus gefunden.

Trocken wurde es in dieser Nacht nicht mehr. Es gab ein paar Minuten ohne Regen, mehr nicht, und meistens nieselte es nicht, sondern schüttete. Auf der Fahrbahn standen Bäche, in den Reifenrinnen sammelte sich das Wasser, und am höchsten Punkt der Strecke hatte es nur noch drei, vier Grad bei Schneeregen. In der Abfahrt schlugen die Tropfen so groß ins Gesicht, dass es weh tat, und Dani spürte in einer Schicht vor Kälte ihre Zehen nicht mehr.

![Nachts auf nasser Straße: ein Fahrer im Scheinwerferlicht des Pacecars, der Regen ist im Licht zu sehen](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-ran-nacht.jpg)
*Foto: Anzhelika Freudenthaler*

## Der Waschsalon

Nach ein paar Stunden Regen war unser Pacecar weniger Begleitfahrzeug als Trockenraum. Quer durchs Auto hing eine Wäscheleine, vor dem Heizlüfter trocknete an Kluppen alles, was nass geworden war, und in den Lüftungsschlitzen an der Decke steckten Socken und Handschuhe. Benji sorgte dafür, dass wir vor jeder Schicht etwas Trockenes anziehen konnten, und beschrieb die Lage am Samstagvormittag so:

> Ich schwitze wie ein Ofen, ganz ehrlich. Wir verwenden jedes Loch, wo die Lüftung rauskommt, dass wir irgendein Kleidungsstück davorhängen.

In den Pausen ging es vor allem darum, die nassen Sachen so schnell wie möglich loszuwerden. Martin wechselte dafür drei Base-Layer durch, die reihum vor dem Heizlüfter trockneten, und zog sich nur ein einziges Mal, zur Halbzeit, komplett um. Dani hatte auf Marios Rat einen Bademantel eingepackt, und der wurde zum besten Tipp des ganzen Rennens. Gegen die nassen Füße half dagegen nichts, weder abgeklebte Lüftungsschlitze an den Schuhen noch Überzieher noch Socken in Plastiksackerln, in denen nach jeder Schicht das Wasser stand. Irgendwann stieg sie einfach mit trockenen Socken in die nassen Schuhe, und obwohl sie gleich wieder nass war, fühlte es sich besser an. Benji hatte in fast jeder Pause seine wärmende Creme in der Hand, weil Martin in der Kälte immer wieder Krämpfe bekam und Dani sie in den Gelenken spürte.

![Dani in blauer Jacke mit Helm und Startnummer 211 trinkt aus einer gelben Flasche, neben ihr das Rad am Pacecar](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-ran-pause.jpg)
*Kurze Pause am Pacecar. Foto: Anzhelika Freudenthaler*

Bleibt die Frage, die sich viele stellen: Wie macht man das eigentlich mit dem Klo? Nachts bleibt das Pacecar hinter dem Rad, also hält das ganze Team an, sobald einer muss, und entsprechend lange hält man durch. Dani stand in ihrer dritten Schicht vor einer Ampel, deren Countdown zwei Minuten und dreizehn Sekunden anzeigte, und wollte die Zeit gerade nutzen, als die Ampel auf Grün sprang. Ihre Frage über Funk, ob nicht irgendwer auf die Toilette müsse, beantwortete Martin aus dem Auto knapp: keine Klopause. Die Travel Johns, die wir als Urinbeutel für unterwegs dabeihatten, blieben trotzdem unbenutzt, denn als einer von uns damit anfangen wollte, kam von der Seite nur: „Na, du nimmst jetzt nicht den Beutel her!“ In der ganzen Nacht gab es genau eine Klopause, die nächste erst nach halb sechs, und dann stiegen eben alle aus.

## Am Semmering

Thomas hatte uns gleich am Anfang eingeschärft, bis zum Semmering nicht auf Platzierungen zu schauen, egal wer gerade überholt. Martin schaute trotzdem heimlich nach, weil ihn die Zahlen motivierten: zwanzig Minuten Vorsprung, dann siebzehn, dann dreizehn. Bald rechnete er, wie viele Time Stations noch kommen und ob das reicht, wenn bei jeder vier bis fünf Minuten verlorengehen. Dani erzählte er erst spät davon, und das war ihr recht, weil der Druck sonst nur größer geworden wäre.

Am Semmering hörte es tatsächlich auf zu regnen, als einzigem Abschnitt der ganzen Strecke, und für ein paar Minuten kam sogar die Sonne heraus. Die Abfahrt fuhr Dani, auf einer Straße, die nur noch restfeucht war und die wir vom Besichtigen kannten, und sie wusste, dass sie hier Zeit gutmachen konnte. Martin saß hinter ihr im Pacecar, sagte die Kurven an und freute sich schon im Auto mit, als sie sich bergab an einem Konkurrenten vorbeitraute. Ihr Fahrtechniktrainer hat ihr genau dieses Manöver später, beim Durchsehen des Videos, hoch angerechnet. Kaum war sie unten, fing es Richtung Kalte Kuchl wieder an zu regnen.

![Zwei Fahrende von hinten auf einer Waldstraße, dahinter das Pacecar; einer streckt den Arm zur Übergabe aus](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-ran-uebergabe.jpg)
*Wechsel unterwegs. Foto: Anzhelika Freudenthaler*

## Der Morgen

Ab halb sechs wurde der Verkehr dichter, und im Tagmodus durfte das Pacecar nun auch vorausfahren. Martin hatte Dani eine Schicht zuvor verraten, dass wir führen, und irgendwo Richtung Ybbs bekam sie es noch einmal bestätigt, diesmal von Fremden. Zwei Leute stiegen mit dem Einkaufskorb aus ihrem Auto, sahen sie vorbeikommen und riefen ihr zu, dass Watt the F vorne liege, wobei es aus ihrem Mund eher nach dem englischen Original klang. Dani fuhr mit einem breiten Grinsen weiter.

Von da an wollte das ganze Team die Platzierung mit uns ins Ziel bringen. Unser Fanclub hatte eine Fahne dabei, in der die österreichische und die deutsche Flagge extra für uns kombiniert waren, für ein Duo aus einer Österreicherin und einem Deutschen, und entdeckt haben wir sie leider erst hinterher auf einem Foto. Gerade auf den letzten 150 Kilometern hat uns dieser Zuspruch getragen.

![Vier Menschen am Straßenrand mit einer kombinierten Österreich-Deutschland-Fahne und einem Schild](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-ran-fahne.jpg)
*Die Fahne, die wir erst auf dem Foto gesehen haben. Foto: Anzhelika Freudenthaler*

## Das letzte Viertel

Im letzten Viertel stiegen wir nach jeder Schicht ins Auto und waren überzeugt, kaum noch vom Fleck zu kommen. Wir hatten unterschätzt, wie viel es auf diesem Stück noch bergauf geht, Watt und Tempo wollten nicht mehr zusammenpassen, und trotzdem fuhren wir genau hier die meiste Zeit heraus. Martin hat fasziniert, wie viel Dani am Schluss noch aus sich herausholte. Aus dreizehn Minuten Vorsprung wurden im Ziel vierundzwanzig.

In der vorletzten Schicht kamen Martin ein paar Tränen, als ihm klar wurde, dass wir das Ding zu Ende bringen. Gerade dann muss man aufpassen, nicht übermütig zu werden, und zweimal bremste er sich auf nasser Fahrbahn selbst, bevor er sich weiter in die Kurve legte: „Hu, Martin, Vorsicht.“ Auf den letzten zwanzig Kilometern will man sich nicht mehr hinlegen.

Dani hatte ihre letzte Schicht gerade hinter sich, als Mario ihr im Pacecar das Mikro hinhielt. Im Hintergrund hörte man die Fans, und sie sagte nur:

> Ich bin sprachlos. Es war so geil.

Die letzten zwanzig Kilometer fuhr Martin auf dem Zeitfahrrad, das er unbedingt noch einsetzen wollte, und den letzten Kilometer rollten wir gemeinsam, so wie wir es ausgemacht hatten. Im Auto war darüber kurz diskutiert worden, doch Mario hielt dagegen: Wer 600 Kilometer gemeinsam fährt, fährt auch das Ende zusammen.

Oben auf der Bühne stand dann 21 h 33 min auf der Leinwand, und man drückte uns eine Holzscheibe mit eingebranntem Schriftzug in die Hand, für Platz 1 in der Wertung der 2er-Mixed-Teams, in der sechs Duos gestartet und fünf angekommen waren. Aufs Podest zu fahren war vorher höchstens eine vage Hoffnung gewesen, weil man als Team, das so etwas zum ersten Mal gemeinsam fährt, die Zeiten schlicht nicht einschätzen kann. Noch Tage danach konnten wir es beide nicht ganz glauben.

## Für Fenja

Neben dem Rennen lief die ganze Zeit unser Charity-Projekt. Wer wollte, konnte uns Kilometer abkaufen, fünf Euro pro Kilometer, um für Fenja eine Galileo-Therapieplatte zu finanzieren, und Martin schaute in den Pausen immer wieder nach, wo der Spendenstand gerade lag. Am Ende war das Ziel deutlich übertroffen, sodass nun das komplette Gerät bezahlt werden kann, obwohl es teurer ist als der Betrag, den wir ursprünglich ausgerufen hatten. Unser Motto war von Anfang an „Bewegung bewegt“, und hier geht es um ein Kind, dem das Gerät hilft, sich in der Bewegung weiterzuentwickeln und Freude daran zu finden. Als uns Fenjas Familie ein Dankesvideo schickte, saßen wir beide mit ziemlich glasigen Augen davor.

Danke an unsere Sponsoren, die es möglich gemacht haben, dieses Projekt ordentlich anzugehen, und von denen einige schon vor der Spendenaktion eigene Charity-Zusagen gegeben haben. Und danke an alle, die für Fenja gespendet, geteilt, mitgefiebert oder das Projekt weitergetragen haben, egal ob mit einem großen oder einem kleinen Beitrag. Wie die Übergabe der Platte gelaufen ist, steht in [dieser Meldung](https://watt-the-f.com/journal/galileo-platte-fuer-fenja).
