# RACA 300: 337 Kilometer allein durch die Nacht

> Offiziell 300, tatsächlich 337 Kilometer, unsupported und ohne Auflieger: Martins erstes Solo-Ultrarennen beim Race Across Austria North-South, mit einem Tiefpunkt in Baumgartenberg.

**Beitrag:** https://watt-the-f.com/journal/raca-300-2026/ · 2026-07-03 · Dani & Martin

Dazu im Podcast: [#14 Der Kopf wollte weiter. Die Beine hatten Redebedarf. – Martins 337 Kilometer beim RACA300](https://watt-the-f.com/podcast/14-der-kopf-wollte-weiter-die-beine-hatten-redebedarf/), [#12 Mariechenkäfer beim Sex – Zwischen RACA, RAAM und Nacktschnecken](https://watt-the-f.com/podcast/12-mariechenkaefer-beim-sex/)

Halb fünf in der Früh, irgendwo im Nirgendwo. Martin ist seit knapp zehn Stunden allein unterwegs, die Beine tun weh, und am Straßenrand taucht ein Watt-the-F-Pulli auf. Sein Kopf braucht eine ganze Weile, bis er begreift, wer darin steckt: Dani, die mitten in der Nacht über eine Stunde mit dem Auto gefahren ist, um hier zu stehen, und kurz danach auch Elisabeth. Er freut sich und kann es kaum zeigen, weil er vor Schmerzen nur noch „lasst mich einfach leiden“ denkt. Und trotzdem geht ihm auf dem Rad die ganze Zeit ein Satz durch den Kopf: Womit habe ich das verdient, dass Leute so lieb sind?

Das RACA 300 ist die kürzeste Rennrad-Variante des Race Across Austria North-South, mit Start und Ziel in Linz. Offiziell heißt es 300, gefahren werden 337 Kilometer, und zwar unsupported: Es gibt kein Begleitfahrzeug, nur ein Basecamp mit einem Wechselbeutel, alles andere muss man selbst organisieren. Für Martin war es das erste Ultrarennen, das er allein bestritt, und so weit am Stück war er noch nie gefahren. Er ging auf dem Rennrad an den Start, ohne Auflieger, weil sich für sein Aero-Rad keine passenden fanden, mit vorher recherchierten Wasserstellen bis hin zu Friedhöfen und einem Plan, sich ausschließlich flüssig zu ernähren. Das Ziel war schlicht, auf jeden Fall anzukommen.

![Martin auf dem Rennrad vor einer bewachsenen Steinmauer, gelbe Warnweste über dem Trikot, Startnummer 304 am Helm, Satteltasche und kein Auflieger am Lenker](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-raca-anstieg.jpg)
*Kein Auflieger, dafür Warnweste und Satteltasche: Was er braucht, hat Martin selbst dabei.*

Gestartet wurde am Freitagabend um 18:38 Uhr. Dani, Elisabeth und Andreas standen am Start, und auch wenn Martin sich darauf eingestellt hatte, das Ding allein zu fahren, gaben ihm die bekannten Gesichter einen zusätzlichen Kick. Man will es dann eben allen zeigen.

![Dani und Andreas in Watt-the-F-Trikots am Straßenrand, Dani im pinken Tüllrock, Andreas mit Cowboyhut, Blumenkette, riesiger Sonnenbrille und Megafon](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-raca-support.jpg)
*Dani und Andreas: Support bei einem Rennen ohne Support.*

## Der Abend

![Martin rollt mit Warnweste aus dem aufblasbaren Startbogen des Race Across Austria, links das Schild des FC Blau-Weiß Linz](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-raca-start.jpg)
*Raus aus dem Startbogen in Linz.*

Die ersten 70 Kilometer führten praktisch nur bergauf, und Martin fuhr sie zu hart an. Gemerkt hat er das erst später, denn die ersten hundert Kilometer grinste er durchgehend, trotz der Hitze, die an diesem Tag so drückend war, dass ein anderer Fahrer in Weitra deswegen aufgab. Als es dämmerte, tauchten vor ihm die ersten roten Rücklichter auf, und jedes davon wollte er einholen, wie eine Katze, die einem Laserpointer hinterherjagt. Dazwischen lagen zwei Schotterpassagen, die bei einem Rennradrennen niemand erwartet.

## Die Nacht

Irgendwo zwischen Kilometer 100 und 120 kam der erste Einbruch, und mit ihm die Rechnung, die man in so einem Moment besser nicht aufstellt: noch zweimal so weit. Auf den Anstiegen ging jetzt kaum noch Druck aufs Pedal: Statt rund 250 Watt wie auf den ersten 70 Kilometern kam er dort nur noch auf 200, später im Flachen wieder auf 220. In Zwettl gab es nur lauwarmes Wasser aus dem Brunnen, und Martin füllte trotzdem auf, weil er nachts nirgends anders stehenbleiben wollte. Irgendwann überholte ihn auf dem Zeitfahrrad der spätere Sieger, und ein Fahrer aus der Adventure-Wertung, der sechs Stunden früher gestartet war und zwischendurch geschlafen hatte, brachte ihm die ganze Platzierungsrechnung durcheinander. Dreimal verfuhr sich Martin, zusammen ungefähr 300 Meter.

Die Ernährung dagegen hielt. Kein Riegel, kein Gel, nur Pulver in den Flaschen und an den Wasserstellen nachgefüllt, dazu im Basecamp eine vorbereitete Flasche mit 50 Gramm Kohlenhydraten. Auch eine Klopause brauchte er die ganze Nacht nicht, was er darauf zurückführt, dass er vor dem Start gefühlt siebenmal gegangen war.

![Martin steht mit dem Rad an einem Brunnen vor einem langen gelben Gebäude und füllt eine gelbe Trinkflasche](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-raca-brunnen.jpg)
*Nachfüllen am Brunnen: kein Riegel, kein Gel, nur Pulver in den Flaschen.*

Und dann kam halb fünf und der Pulli am Straßenrand.

## Baumgartenberg

Bei Kilometer 290 hielt ihn in Baumgartenberg eine Bahnschranke auf, und als es weiterging, zog ein anderer Fahrer an ihm vorbei. Martin hielt ihn für den Vierten. Damit, dachte er, war das Podest weg, und er wusste, dass in seinem Zustand keine vier Minuten mehr aufzuholen waren. Das hat ihm, wie er sagt, total den Stecker gezogen. Für einen Moment wünschte er sich einen groben Defekt, damit ihn jemand einsammelt, und verfluchte das ganze Rennen, bis er sich selbst fragte, was denn dieser dumme Gedanke solle. Mit einer einzigen Information aus dem Auto an der Strecke wäre das alles aufzulösen gewesen, nur wusste dort niemand, was in ihm vorging. Tatsächlich war der Fahrer der spätere Zweite.

Bis ins Ziel waren es von dort noch 47 Kilometer, was sich nach wenig anhört und am Ende doch sehr viel ist. Zehn Kilometer später kam die Marke, auf die es ankam: 300 Kilometer, zum ersten Mal in seinem Leben am Stück, und er saß noch immer auf dem Rad und war nicht einmal langsam. Da kam der Heulanfall. Nach über zwei Jahren mit Knieproblemen, Schmerzen und Rückschlägen war plötzlich klar, dass er es aus eigener Kraft ins Ziel schafft. Selbst wenn jetzt fünf Reifen platzen würden und die zwei Ersatzschläuche nicht reichten, würde er eben auf der Felge ins Ziel rollen. Auf dem Weg über Mauthausen, wo der letzte Anstieg wartete, standen Dani und die anderen noch ein, zwei Mal an der Strecke.

## Im Ziel

Am Pleschinger See in Linz standen 13 Stunden und 25 Minuten auf der Uhr und Platz 3 in der Gesamtwertung. Der Sieger war rund anderthalb Stunden schneller. Realisieren konnte Martin das erst einmal nicht, es fühlte sich irgendwie unreal an. Aufgegangen war die Strategie trotz des zu schnellen Starts zu 90 bis 95 Prozent: Nur rund 15 Minuten stand er in der ganzen Zeit, 98 Prozent war er in Bewegung, genauso viel wie der Sieger.

Wie knapp das Podest tatsächlich war, zeigte erst die Rangliste. Der Vierte kam mit derselben Zeit ins Ziel, auf die Minute gleich.

![Martin mit schwarzer Kappe und hellblauem Shirt lacht in die Kamera und hält einen Glaspokal mit der Aufschrift Third, North-South 300](https://watt-the-f.com/brand/photos/journal-raca-pokal.jpg)
*Platz 3, und der Pokal dazu.*

Für Dani zählte nicht der Platz, sondern das, was davor lag: dass Martin brav trainiert, alles gegeben und sich mit sich selbst beschäftigt hatte, und dass man genau das am Renntag gesehen hat. Dafür stand sie gern mitten in der Nacht an der Strecke.
