# Nachts Rennrad fahren: was wir aus unserer ersten Nachtausfahrt mitnehmen

> Trainingsbeginn um 23 Uhr, mit Begleitfahrzeug, Warnweste und Funk. Was wir dabei über Licht, Kälte in den Pausen und Müdigkeit gelernt haben, und warum wir es trotzdem empfehlen.

**Beitrag:** https://watt-the-f.com/journal/nachts-rennrad-fahren/ · 2026-04-24 · Dani & Martin

Dazu im Podcast: [#4 Watt the Finsternis – Kann man machen, aber sollte man wirklich?](https://watt-the-f.com/podcast/4-watt-the-finsternis/)

Trainingsbeginn um 23 Uhr: kann man machen, aber sollte man wirklich? Wir haben es ausprobiert, drei Wochen vor dem Race Around Niederösterreich. Das Rennen startet am Abend, die ersten 200 bis 350 Kilometer fahren wir im Dunkeln, und wir wollten nicht erst im Rennen zum ersten Mal erleben, wie sich das anfühlt. Dani hatte von Anfang an darauf bestanden, Martin hatte Respekt davor. Hinterher waren wir uns einig: Ausprobieren lohnt sich, wenn man es richtig angeht.

## So sind wir es angegangen

Hinter uns fuhr Benji aus unserer Crew im Begleitfahrzeug, so wie später im Rennen, und über Funk konnten wir mit ihm reden. Wir trugen beide Warnwesten, am Rad war trotzdem Licht, dazu eine Stirnlampe, und das Auto hatte Drehlichter und hinten ein Schild „Begleitfahrzeug“. Zuerst fuhren wir eine Stunde gemeinsam, dann jeder eine halbe Stunde allein, während der andere im Auto saß, und zum Schluss noch einmal eine Stunde zu zweit. Die Strecke kannten wir vom Tag. Damit war ein Unsicherheitsfaktor weg, und wir mussten uns nicht auch noch auf die Route konzentrieren.

Was uns überrascht hat: Die Autos, die uns überholten, fuhren musterhaft vorbei, vorsichtig und mit Abstand. Danke dafür, es geht also auch anders.

## Licht ist das größte Thema

Solange wir durch Linz fuhren, half die Straßenbeleuchtung. Draußen war es stockfinster, und da merkt man sofort, wenn das Auto nicht direkt hinter einem ist. Das Begleitfahrzeug fährt fünf bis sieben Meter hinter dir und kommt erst verzögert um die Kurve. Du fährst also jedes Mal in eine finstere Kurve hinein, siehst Kanaldeckel und den Kurvenausgang zu spät und nimmst Tempo raus. Auf einer Abfahrt ist das vielleicht eine Frage von zwanzig Sekunden, über acht Stunden Dunkelheit in einem Rennen summiert es sich. Dani fährt ihren Arbeitsweg oft im Finstern und kennt dort jeden Kanaldeckel, auf fremden Strecken ist das eine ganz andere Geschichte.

Daraus haben wir mitgenommen: Licht gehört ans Rad, auch mit Begleitfahrzeug, und die paar Gramm für Akku und Lampe sind es wert. Viele, die ohne Begleitung fahren, montieren zusätzlich eine Lampe auf den Helm, weil man damit schon in die Kurve schaut, bevor das Rad dort ist. Die Alternative zum Akku ist ein Nabendynamo, der beim Fahren Strom erzeugt. Man schleppt keinen Akku mit, hat aber nur Licht, solange man fährt, und ein Laufrad mit Nabendynamo kostet schnell einen Tausender. Unsere neue Lampe läuft deshalb mit Akku. Wichtig sind eine gewisse Leuchtkraft und eine gewisse Leuchtdauer, also eine Lampe, die nicht mitten in der Fahrt ausgeht. Und gesehen werden gehört genauso dazu: Rücklicht, Reflektoren am Helm und am Rucksack, reflektierende Bänder an Armen und Beinen. Das schaut nicht immer gut aus, ist aber in dem Fall auch nicht wichtig.

Wie ernst das Thema ist, weiß Martin aus eigener Erfahrung. Er ist 2021 bei einer Nachtausfahrt gestürzt, im Regen, ohne Auto und mit einem Licht, das viel zu schwach war, wie er heute weiß, und konnte deshalb das Race Around Upper Austria nicht fahren.

## Kälte kommt in den Pausen

Die Nacht war wärmer als gedacht, wir hatten beide mehr an, als wir gebraucht hätten, und haben entsprechend geschwitzt. In der Pause im Auto kühlten wir dann trotz Heizung richtig aus, und beim Wiederlosfahren war es bitterkalt. Was wir beim nächsten Mal anders machen:

- **Umziehen.** Im Auto sofort alles Nasse ausziehen und etwas Trockenes anziehen.
- **Lieber eine Spur zu kalt starten** und ein bisschen mehr treten, bis einem warm wird.
- **Tee in der Thermosflasche**, die in den normalen Flaschenhalter passt, für Winterausfahrten ohnehin ein Lifehack.
- **Notlösungen**, wenn man spontan in die Nacht kommt und keine Überschuhe hat: ein Gummihandschuh oder das Papier vom Riegel über die Zehen, die Lüftungsschlitze der Schuhe mit Leukoplast zukleben, zur Not ein Stück Rettungsdecke um die Füße.

## Müdigkeit ist nicht Erschöpfung

Die Nachtausfahrt wurde kurzfristig um eine Woche vorverlegt, wir hatten beide die Nacht davor kaum geschlafen und den ganzen Tag gearbeitet. Martin, eigentlich ein Nachtmensch, der aber seit anderthalb Jahren mit Schlafproblemen kämpft, war nach 15, 16 Stunden auf den Beinen schon nach einer Dreiviertelstunde am Rad müde. Dani hatte sich so gefreut, dass sie an die Müdigkeit gar nicht dachte, bis nach ihrer Pause im Auto der Körper in den Ruhemodus schaltete.

Am nächsten Tag, nach drei bis fünf Stunden Schlaf, waren wir beide ziemlich durch, und Martins Schlafrhythmus war danach komplett durcheinander. Unser Schluss: Nicht die Trainingseinheit hat uns fertiggemacht, sondern der Schlafmangel. Muskulär ging es danach normal weiter. Im Rennen wird genau das schwierig, weil man am Tag eines Abendstarts nicht einfach bis mittags schlafen kann und trotzdem nervös und voller Adrenalin an den Start geht.

## Warum wir es trotzdem empfehlen

Es war eine echte Selbsterfahrung. Allein am Rad, kein Funk, rundherum stockfinster und oben die Sterne: Da hatte einer von uns einen richtigen Grinser im Gesicht. Es ist still, kaum ein Auto, und so viel Wild wie in dieser Nacht haben wir selten über die Straße laufen sehen.

Probiert es aus. Aus Sicherheitsgründen am besten mit jemandem, der im Auto hinter euch herfährt, und wenn das nicht geht, dann mit vernünftigem Licht. Es muss nicht drei Uhr früh sein, von halb zehn bis elf am Abend reicht für den Anfang. Und wer um diese Uhrzeit nicht Rad fahren will, geht einfach einmal spazieren und genießt die Stille.
