# 24 Stunden Grieskirchen: nachts Schlager, tagsüber Vollgas

> Vier Leute, ein Tracker und immer dieselbe Runde: unser 24-Stunden-Radmarathon in Grieskirchen, mit Kettenriss, kalter Nacht, Schlager bis vier Uhr früh und einer Sonne, die den Schalter umlegte.

**Beitrag:** https://watt-the-f.com/journal/grieskirchen-24h-2026/ · 2026-07-17 · Dani & Martin

Dazu im Podcast: [#16 Nachts Schlager, tagsüber Vollgas – Unser 24-Stunden-Abenteuer in Grieskirchen](https://watt-the-f.com/podcast/16-nachts-schlager-tagsueber-vollgas/)

Samstagabend, es ist noch hell. Dani kommt gerade von ihrer Runde in die Wechselzone und hat sich darin ziemlich verausgabt, als sie erfährt, dass Benjis Kette gerissen ist, gleich am ersten Anstieg seiner Schicht. Nach vielleicht zehn Sekunden sitzt sie wieder auf dem Rad, den Tracker bei sich, und fährt die nächste Runde gleich hinterher, mit nicht mehr als dem Rest aus ihrer 750-Milliliter-Flasche. Während sie unterwegs ist, repariert Benji seine Kette. „Hut ab, echt Maschine“, sagt er später über diese Doppelrunde.

Der 24-Stunden-Radmarathon in Grieskirchen läuft auf einer Runde von 21,5 Kilometern mit 175 Höhenmetern, von Samstag 11:45 Uhr bis Sonntag 11:45 Uhr. Wir fuhren ihn als Viererteam, und die zwei, die uns beim Race Around Niederösterreich noch im Pacecar begleitet hatten, saßen diesmal selbst auf dem Rad: Mario Rametsteiner, von dem die Idee stammte, und Benjamin Rulf, bei uns Benji. Wer fährt, trägt den Tracker, und in der Wechselzone wird er weitergegeben wie ein Staffelstab. Ein Begleitfahrzeug gibt es nicht, versorgt haben wir uns selbst aus unserem Zelt im Fahrerlager. Um Zeiten ging es uns dabei nicht. Benji hat es vorher so formuliert: Es geht um die goldene Ananas.

## Der Tag

Laut Wetterdienst sollte es 29 Grad haben, gemessen haben wir 35. Martin fuhr seine ersten beiden Runden Vollgas und fast im selben Tempo, und genau das ist sein Ding. Benji dagegen setzte die Hitze sichtlich zu. Für Dani war es das erste Rennen mit Windschattenfahren, auch wenn das in diesem Jahr seltener ging als sonst, weil die Gruppen immer wieder zerfielen und man die meiste Zeit allein unterwegs war. Dani fand trotzdem immer wieder jemanden zum Plaudern, und Martin war es ein Rätsel, woher sie dafür die Luft nahm. An der Wechselzone sprach sie sogar ein Hörer an, Alex, der uns vom Podcast kannte.

![Vier Leute auf Rennrädern hintereinander auf einer Landstraße zwischen Feldern, Dani im Watt-the-F-Trikot mittendrin](https://watt-the-f.com/brand/photos/proj-gk-gruppe.jpg)
*Wenn sich eine Gruppe fand, dann so – hier mit Dani im Windschatten. Foto: Sportshot.de*

## Die Nacht

Mit der Dunkelheit fielen die Temperaturen auf zwölf bis vierzehn Grad, im Fahrtwind fühlte es sich nach sieben an. Wir stellten auf Doppelschichten um, damit die Pausen länger würden, doch auch zwei Stunden sind eine seltsame Dauer: zu kurz, um sich wirklich zu erholen. Dazu lief im Ort bis vier Uhr früh der Schlager, und die Nachbarn übertrugen lautstark die Fußball-WM. Geschlafen hat in dieser Nacht kaum jemand richtig, auch wenn Dani mit Schlafmaske und Wappen-Pulli im Zelt immerhin so etwas wie Glamping daraus machte.

Martin hatte das stärkste Licht im Team, und in den Kurven schaltete er das Fernlicht ein. Den anderen in seiner Gruppe gefiel das so gut, dass einer ihn ziemlich frech bat, doch einfach vorne zu bleiben, dann sähen sie wenigstens etwas.

Für Martin selbst war die Nacht trotzdem nichts. Seine langsamste Runde, 45 Minuten, fuhr er komplett allein, müde und ohne Druck auf dem Pedal, bis ihn am einzigen richtigen Anstieg die Führungsgruppe mit den stärksten Einzelstartern und Teams überholte. Eben waren da noch zwanzig Leute, dann waren sie weg. Es war kalt und dunkel, er war leer und wollte nicht mehr. Wie stark der Kopf die Beine steuert, hat er in diesem Moment so deutlich gemerkt wie selten.

Die Nacht gehörte Dani. Einmal fuhr sie an eine Stelle, an der ein Rettungswagen mit Blaulicht vorbeikam und eine Blutlache mit Markierungsspray eingekreist war, und erst zwei, drei Stunden später erkannte sie, dass dort ein toter Hase lag. Der Schreck holte sie auf den Boden zurück, konzentriert und ohne Leichtsinn weiterzufahren. Später, auf einem Anstieg in der Morgendämmerung, zwischen blinkenden Rücklichtern, mit Sichelmond, erstem Sonnenlicht und zwitschernden Vögeln, war sie nach eigenen Worten der glücklichste Mensch im Rennen.

![Eine Uhr, die 02:48 anzeigt, darunter eine Schüssel Nudeln](https://watt-the-f.com/brand/photos/proj-gk-7.jpg)
*Nudeln um 2:48 Uhr in der Früh.*

## Der Morgen

Kurz nach fünf weckten wir Mario für seine nächste Schicht, und Benji holte sich beim Bäcker einen Kaffee, sobald der aufsperrte. Und dann kam die Sonne zurück. Martin hatte befürchtet, die nächste 45-Minuten-Runde vor sich zu haben, und fuhr stattdessen 37 Minuten. Es war, als würde jemand einen Schalter umlegen.

Danis letzte Runden gehörten zu den schönsten des Rennens. An den Anstiegen schloss sie sich einer Gruppe an, trieb sie am letzten Hügel an, und an der Wechselzone standen die Familien. Für Dani waren das in diesem Moment ihre Engel, und die ganze Gruppe trieb sich gegenseitig ins Ziel. Die Schlussrunde fuhr Mario. Wie er sich danach fühlte? „Leer, aber überglücklich.“ Alle vier waren ohne Verletzung durchgekommen.

Am Ende standen 36 Runden und 774 Kilometer in 24 Stunden und 16 Minuten. Benji will nächstes Jahr unbedingt wieder starten, und Mario meinte, man könne so etwas vielleicht wieder machen. Danke an unsere Familien und Freunde, die vor Ort waren, an Helmut und Markus, die vorbeigeschaut haben, und an alle, die uns unterwegs angefeuert oder ein Stück im Windschatten mitgenommen haben.
